Der Technologiekonzern Google hat einen geheimen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium unterzeichnet, der es der Behörde erlaubt, Googles KI-Modelle für „jeden gesetzlich zulässigen Regierungszweck“ zu nutzen. Wie das Fachportal The Information berichtet, sind die genauen Vertragsdetails klassifiziert und nicht öffentlich einsehbar.

Ein anonymes Google-Mitarbeiter bestätigte gegenüber Reuters, dass die Vereinbarung vorsieht, dass die KI-Technologie des Konzerns nicht für Massenüberwachung im Inland oder autonome Waffen eingesetzt werden soll – ohne angemessene menschliche Kontrolle. Gleichzeitig räumte die Quelle ein, dass Google kein Vetorecht über die Nutzung durch die Regierung besitzt. Die Verantwortung für den Einsatz liege damit allein bei den staatlichen Stellen.

Ein Google-Sprecher erklärte gegenüber Reuters:

„Wir sind der Ansicht, dass die Bereitstellung von API-Zugriff auf unsere kommerziellen KI-Modelle – einschließlich der Nutzung auf Googles Infrastruktur – unter Einhaltung branchenüblicher Standards und Bedingungen einen verantwortungsvollen Ansatz zur Unterstützung der nationalen Sicherheit darstellt.“

Der Sprecher betonte zudem, dass Google der Meinung sei, KI dürfe nicht für Massenüberwachung oder autonome Waffensysteme eingesetzt werden – unabhängig von menschlicher Aufsicht. Kritiker halten dagegen, dass solche Technologien generell nicht für militärische Zwecke genutzt werden sollten.

Mitarbeiter protestieren gegen Militärnutzung

Mehr als 560 Google-Mitarbeiter haben einen offenen Brief an CEO Sundar Pichai unterzeichnet, in dem sie den Konzern auffordern, die Zusammenarbeit mit dem Pentagon zu beenden. Sie warnen vor einem möglichen „unmenschlichen oder extrem schädlichen Einsatz“ der Technologie.

„Menschenleben gehen bereits verloren, und bürgerliche Freiheiten werden sowohl im Inland als auch im Ausland durch den Missbrauch der Technologie gefährdet, an deren Entwicklung wir maßgeblich beteiligt sind“, heißt es in dem Schreiben. „Als Menschen, die an KI arbeiten, wissen wir, dass solche Systeme Macht konzentrieren und Fehler machen.“

Google folgt anderen Tech-Konzernen – Anthropic wehrt sich

Google reiht sich damit in eine Reihe von Tech-Unternehmen ein, die geheime KI-Verträge mit der US-Regierung abgeschlossen haben. Sowohl OpenAI als auch Elon Musks xAI haben ähnliche Vereinbarungen unterzeichnet. Anthropic, ein weiterer KI-Entwickler, hatte zunächst einen Deal mit der Regierung, lehnte jedoch die Forderung ab, Schutzmechanismen für Waffen- und Überwachungstechnologien zu entfernen. Diese Weigerung führte dazu, dass Anthropic von der US-Regierung komplett gesperrt wurde – ein Schritt, der die Glaubwürdigkeit der staatlichen Zusicherung von „menschlicher Kontrolle“ infrage stellt.

Präsident Trump reagierte mit einer scharfen Sanktion gegen Anthropic, nachdem das Unternehmen die Forderungen der Regierung abgelehnt hatte. Dies wirft die Frage auf, ob die US-Behörden tatsächlich an einer verantwortungsvollen Nutzung von KI interessiert sind oder ob wirtschaftliche und politische Interessen im Vordergrund stehen.

Ein Google-Sprecher bestätigte gegenüber Engadget, dass das Unternehmen auf Anfrage weitere Details zum Vertrag bereitstellen werde. Eine offizielle Stellungnahme steht jedoch noch aus.

Quelle: Engadget