Die IEEE Communications Society (ComSoc) hat mit ihrer Initiative "Research Collaboration Pitch Session" ein neues Format geschaffen, das den Austausch zwischen akademischen Forschern und Industriepartnern gezielt fördert. Seit dem Start im vergangenen Jahr verbindet das Programm vielversprechende Wissenschaftler mit Unternehmensvertretern, die ihnen nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Mentoring und wertvolle Kontakte bieten können.

Im Gegensatz zu zufälligen Begegnungen auf Konferenzen schaffen diese Pitch-Sessions eine strukturierte Umgebung für gezielte Gespräche. Fünf Forscher präsentieren ihre Projekte vor ebenso vielen Industrievertretern – den sogenannten "Innovation Scouts". Diese hochrangigen Experten stammen aus Partnerunternehmen von ComSoc wie Ericsson, Intel, Keysight und Nokia. Das Format stellt sicher, dass jede Idee die nötige Aufmerksamkeit erhält und mit den strategischen Zielen der Unternehmen übereinstimmt.

Erste Pitch-Sessions in Kairo und Taipeh

Die Initiative startete im November 2023 auf der IEEE Middle East Conference on Communications and Networking (MECOM) in Kairo und wurde im Dezember auf der IEEE Global Communications Conference (GLOBECOM) in Taipeh fortgesetzt.

KI-gestützte Kommunikationsnetze: Ein wegweisendes Projekt

Eines der herausragenden Ergebnisse kam aus der ersten Session in Kairo. Angela Waithaka, Doktorandin an der Kenyatta University in Nairobi, präsentierte ihre Arbeit mit dem Titel "AI-Driven Predictive Communication Networks for Enhanced Performance in Resource-Constrained Environments". Ihre Präsentation ist auf IEEE.tv verfügbar.

Waithakas Forschung adressiert ein zentrales Problem: Moderne Kommunikationssysteme setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Doch viele bestehende Architekturen benötigen enorme Rechen- und Energieleistungen – Ressourcen, die in Entwicklungsregionen oft nicht verfügbar sind. Ihre Lösung? Leichte, adaptive KI-Modelle, die zuverlässige Vorhersagen für die Netzwerkleistung ermöglichen, selbst unter knappen Bedingungen.

Ihre Idee überzeugte Ruiqi „Richie“ Liu, einen leitenden Forscher bei ZTE in China. ZTE ist ein globaler Anbieter von IKT-Lösungen. Liu erkannte sofort das Potenzial von Waithakas Ansatz für die Arbeit seines Unternehmens mit der Internationalen Fernmeldeunion (ITU). Er lud sie ein, sich an ITU-Diskussionen zu globalen Telekommunikationsstandards zu beteiligen – eine Plattform, die ihre Forschung auf internationaler Ebene bekannt machen wird.

Vereinfachung von Datenzentrumsprotokollen

Auch auf der GLOBECOM-Konferenz in Taipeh gab es vielversprechende Begegnungen. Nirmala Shenoy, Professorin am Rochester Institute of Technology, präsentierte ihre Forschung zu vereinfachten Protokollen für Datenzentrumsnetzwerke. Sie zeigte auf, wie die wachsende Komplexität dieser Netzwerke – die Cloud-Dienste, Unternehmens-IT und KI-Workloads unterstützen – die Performance beeinträchtigen kann.

Shenoys Fokus auf geringere Protokollkomplexität bei gleichbleibender Skalierbarkeit, Resilienz und niedriger Latenz weckte das Interesse eines Innovation Scouts von Nokia. Dieser leitet das eXtended Reality Lab in Madrid und vermittelte Shenoy den direkten Kontakt zu einem passenden Ansprechpartner bei Nokia. Das Ergebnis: Shenoy erstellte ein Video für das Unternehmen, in dem sie ihre Methode und mögliche Anwendungen vorstellte.

Ein Modell für beschleunigte Innovation

Die ersten Erfolge der Initiative belegen, wie gezielte Vernetzung zwischen Wissenschaft und Industrie Innovationen beschleunigen kann. Die Pitch-Sessions sind damit mehr als nur Konferenzveranstaltungen – sie bilden eine Brücke zwischen akademischer Kreativität und industrieller Umsetzung.

„Diese Initiative zeigt, wie strukturierte Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie neue Lösungen hervorbringen kann – besonders in Bereichen wie KI und Netzwerktechnik.“
— IEEE Communications Society