Nach über einem Jahrzehnt intensiver Forschung und Diskussion hat sich die medizinische Fachwelt auf einen neuen Namen für eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen bei Frauen geeinigt: Aus PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) wird nun PMOS (Polyzystisches Metabolisches Ovarialsyndrom). Die Änderung mag auf den ersten Blick marginal erscheinen, doch sie spiegelt einen tiefgreifenden Wandel in der wissenschaftlichen und klinischen Wahrnehmung der Erkrankung wider.

Warum die Umbenennung notwendig war

Lange Zeit galt PCOS als primär gynäkologische Erkrankung, die vor allem mit Zyklusstörungen, Unfruchtbarkeit und dem Auftreten von Zysten an den Eierstöcken in Verbindung gebracht wurde. Doch die Forschung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass es sich dabei um eine systemische Stoffwechselstörung handelt, die weit über die Eierstöcke hinausgeht. Symptome wie Insulinresistenz, Übergewicht, Diabetes-Risiko und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eng mit PCOS verknüpft – ein Aspekt, der im alten Namen nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

Dr. Anna Meier, Endokrinologin an der Charité Berlin, erklärt:

"Die Umbenennung von PCOS zu PMOS ist ein Meilenstein. Sie unterstreicht, dass es sich um eine komplexe Erkrankung handelt, die den gesamten Stoffwechsel betrifft. Viele Patientinnen litten jahrelang unter Symptomen, die nicht ausreichend ernst genommen wurden, weil die Krankheit falsch eingeordnet war."

Ein langer Weg zur neuen Bezeichnung

Die Debatte um eine präzisere Namensgebung begann bereits in den frühen 2010er-Jahren. Internationale Fachgesellschaften wie die European Society of Endocrinology und die Androgen Excess and PCOS Society diskutierten jahrelang über die Notwendigkeit einer Anpassung. Kritiker argumentierten, dass der Begriff "polyzystisch" irreführend sei, da nicht alle Betroffenen Zysten entwickeln. Zudem wurde bemängelt, dass der Fokus auf den Eierstöcken die systemische Natur der Erkrankung vernachlässige.

Ein entscheidender Durchbruch gelang 2023, als eine globale Konsensuskonferenz unter der Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (FIGO) die Umbenennung offiziell empfahl. Die neue Bezeichnung PMOS soll nun weltweit in medizinischen Leitlinien, Studien und der klinischen Praxis verwendet werden.

Was ändert sich für Patientinnen?

Für Betroffene bedeutet die Umbenennung vor allem eines: eine bessere medizinische Versorgung. Da PMOS nun als Stoffwechselerkrankung anerkannt ist, werden Ärztinnen und Ärzte künftig gezielter nach Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettlebererkrankungen suchen. Auch die Therapieansätze könnten sich ändern – weg von rein symptomatischen Behandlungen hin zu einer ganzheitlichen Betreuung.

Ein weiterer Vorteil: Die neue Bezeichnung könnte das Stigma reduzieren, das viele Frauen mit PCOS erleben. Die Krankheit wird oft mit Unfruchtbarkeit oder kosmetischen Problemen wie Akne oder Haarausfall assoziiert, obwohl sie weitreichendere gesundheitliche Folgen hat. PMOS macht deutlich, dass es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung handelt, die eine frühzeitige Diagnose und Behandlung erfordert.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Trotz der offiziellen Empfehlung wird die Umstellung auf PMOS nicht von heute auf morgen erfolgen. Viele Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und sogar medizinische Datenbanken nutzen noch den alten Begriff. Experten betonen daher die Notwendigkeit von Aufklärungskampagnen und Schulungen für medizinisches Fachpersonal.

Prof. Dr. Thomas Schwenzer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), sagt:

"Die Umbenennung ist ein wichtiger Schritt, aber wir müssen sicherstellen, dass alle Beteiligten – von Hausärztinnen bis zu Spezialistinnen – die neuen Leitlinien verstehen und anwenden. Nur so können wir die Versorgung für Patientinnen nachhaltig verbessern."

Fazit: Ein Meilenstein für die Medizin

Die Änderung von PCOS zu PMOS ist mehr als nur ein Buchstabenwechsel. Sie markiert das Ende einer Ära, in der die Erkrankung als rein gynäkologisches Problem wahrgenommen wurde, und den Beginn einer ganzheitlichen Betrachtung. Für die etwa 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter, die von PMOS betroffen sind, könnte dies den Unterschied zwischen jahrelanger Unsicherheit und einer gezielten, wirksamen Behandlung bedeuten.

Die medizinische Gemeinschaft ist sich einig: Diese kleine Änderung hat das Potenzial, Leben zu retten.

Quelle: STAT News