Ein führender Vertreter der Washingtoner Außenpolitik hat offen ausgesprochen, was Märkte bisher nur fragmentarisch einpreisen: Die USA haben wahrscheinlich eine strategische Niederlage im Iran erlitten, deren Folgen bis in die Straße von Hormuz reichen. Diese Einschätzung könnte ein neues makroökonomisches Risiko für Bitcoin darstellen.
Die Warnung stammt von Robert Kagan, der in einem Artikel für The Atlantic seine Analyse veröffentlichte. Kagan ist kein Außenseiter, sondern gehört zum interventionistischen Flügel der US-Außenpolitik, insbesondere zum Project for the New American Century. Er prägte maßgeblich die Doktrin, die militärische Dominanz der USA als zentrales Element der globalen Ordnung nach dem Kalten Krieg etablierte.
Kagan ist kein Kritiker des Systems von außen, sondern einer seiner Architekten. Seine Arbeit formte die Überzeugung, dass militärische Stärke der USA Handelsrouten sichern, Gegner eindämmen und die liberale Weltordnung durch ständige Präsenz stabilisieren kann. Diese Denkweise beeinflusste sowohl republikanische als auch demokratische Regierungen – von den Kriegen in Irak und Afghanistan über die NATO-Osterweiterung bis hin zur interventionistischen Konsenspolitik Washingtons über Jahrzehnte.
Wenn nun ein Denker aus diesem intellektuellen Establishment eine strategische Niederlage der USA im Iran konstatiert, ist das keine gewöhnliche geopolitische Analyse. Es ist eine Einschätzung aus dem Zentrum der Politikarchitektur, die nun unter Druck gerät.
Kagan argumentiert, dass Niederlagen wie in Vietnam oder Afghanistan zwar kostspielig, aber überlebbar für die globale Position der USA waren. Der Iran jedoch stellt eine andere Dimension dar: Der Verlust betrifft einen lebenswichtigen Energiekorridor, die Sicherheit des Golfs und die Glaubwürdigkeit der US-Militärdrohung.
Die daraus resultierende Marktfrage ist naheliegend: Wenn selbst die Denkfabriken Washingtons einräumen, dass der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormuz ausgeweitet hat, stellt sich die Frage, ob Öl-, LNG- und Schifffahrtsmärkte, Versicherungen, Inflationserwartungen, Staatsanleihenrenditen und Bitcoin nun in einem Szenario handeln, in dem US-Garantien für maritime Sicherheit einen spürbaren Abschlag erfahren.
Hormuz als globaler Risikofaktor
Die Straße von Hormuz ist der entscheidende Übertragungskanal, der militärische Niederlagen in makroökonomische Risiken verwandelt. Rund ein Fünftel des globalen Öltransports passiert diese Route, die zudem zentral für den LNG-Handel im Golf ist. Sobald der Iran auch nur teilweise die Kontrolle über die Passage erlangt, wird die Straße von Hormuz nicht mehr als sichere Route, sondern als bedingte Route gehandelt – abhängig von militärischem Risiko, diplomatischen Abkommen, Versicherungskosten, navalem Durchsetzungsvermögen und iranischer Toleranz.
Genau das ist der Kern von Kagans Argument: Die iranische Hebelwirkung über Hormuz sei keine temporäre Störung, sondern eine dauerhafte Konsequenz. Unternehmer Arnaud Bertrand ergänzt diesen Punkt mit der These, dass die „Freiheit der Schifffahrt“ in eine genehmigungspflichtige Regulierung umgewandelt wurde. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Eine temporäre Sperrung ist ein Ereignis. Ein genehmigungspflichtiges Regime hingegen schafft eine neue Preisschicht – und kann ohne tägliche Explosionen, Beschlagnahmungen oder offene Konflikte funktionieren.
Folgen für Bitcoin und globale Märkte
Die Straße von Hormuz ist nicht nur ein geopolitisches, sondern ein makroökonomisches Risiko. Sollte sich Kagans Analyse bestätigen, könnten folgende Faktoren betroffen sein:
- Öl- und Energiemärkte: Verknappung von Lieferungen, höhere Versicherungskosten und volatile Preise.
- Inflation: Höhere Transportkosten könnten die Teuerungsrate anheizen und die Geldpolitik der Fed beeinflussen.
- Staatsanleihen: Risikoaufschläge aufgrund unsicherer globaler Handelsrouten.
- Bitcoin: Als inflationssensible Anlage könnte die Kryptowährung unter Druck geraten, wenn makroökonomische Unsicherheiten zunehmen.
Experten wie Gino Matos warnen bereits, dass die Bedrohung durch Hormuz nicht vorüber ist. Banken und Energieprognostiker gehen von einer langsameren Wiederherstellung der Ölströme aus, was Inflationsrisiken und geldpolitische Herausforderungen für Bitcoin aufrechterhält.