Wer schon einmal in einem angeblich „verfluchten“ Haus eine unheimliche Präsenz gespürt hat, sollte künftig an Infraschall denken. Vibrierende Rohre, Klimaanlagen, Verkehrslärm oder Windkraftanlagen könnten diese Empfindungen auslösen – und nicht etwa übernatürliche Kräfte. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Fachjournal Frontiers in Behavioral Neuroscience.
Infraschall, also Schallwellen mit Frequenzen unter 20 Hertz, ist für das menschliche Ohr nicht hörbar. Dennoch kann er körperliche und psychische Reaktionen hervorrufen, darunter Unbehagen, Angst oder das Gefühl, beobachtet zu werden. Die Studie zeigt, dass solche Empfindungen oft auf normale Umweltfaktoren zurückzuführen sind.
Frühere Studien stützen die These
Bereits 2003 untersuchte der Psychologe Richard Wiseman von der University of Hertfordshire die psychologischen Mechanismen hinter angeblichen Geistererscheinungen. In zwei Experimenten durchquerten Probanden bekannte „Geisterorte“ wie das Hampton Court Palace in England und die South Bridge Vaults in Schottland. Beide Orte gelten als Schauplätze übernatürlicher Aktivitäten.
Die Teilnehmer berichteten unabhängig davon, ob sie von den Gerüchten wussten, in bestimmten Bereichen häufiger von unheimlichen Gefühlen. Auffällig war, dass diese Zonen erhöhte Werte bei magnetischen Feldern, Luftfeuchtigkeit und Beleuchtungsstärken aufwiesen. Wiseman vermutet, dass starke Magnetfelder das Gehirn beeinflussen könnten – ähnlich wie elektrische Stimulationen im Gyrus angularis das Gefühl erzeugen, eine zweite Person stehe hinter einem und ahme Bewegungen nach.
Umweltfaktoren statt Geister
Die neue Studie unterstreicht, dass viele vermeintlich paranormale Phänomene auf messbare physikalische und psychologische Effekte zurückgehen. Infraschallquellen wie Industrieanlagen, Verkehr oder sogar Windräder können solche Empfindungen auslösen. Die Forscher betonen, dass diese Erkenntnisse helfen, wissenschaftliche Erklärungen für Geistergeschichten zu finden – und unnötige Ängste zu vermeiden.