Die künstliche Intelligenz (KI) gilt als eine der größten Bedrohungen für die Kryptobranche – doch die Wall Street bleibt gelassen. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Coinbase hervor. Das neue KI-Modell Claude Mythos des US-Unternehmens Anthropic soll in der Lage sein, Sicherheitslücken in Systemen eigenständig zu erkennen und auszunutzen. Damit könnte es zentrale Schwachstellen in Protokollen, Börsen und der Infrastruktur angreifen.
Doch trotz dieser potenziellen Gefahr verlieren institutionelle Investoren nicht ihr Vertrauen in Bitcoin. David Duong, globaler Leiter der Investmentforschung bei Coinbase, betont in einer Mitteilung, dass drei Viertel der institutionellen Anleger Bitcoin weiterhin als unterbewertet einstufen. «Unser Ausblick für das nächste Quartal bleibt neutral, aber es gibt erste Anzeichen, dass der Markt einen Boden gefunden haben könnte», so Duong. «Ein Großteil der spekulativen Aktivitäten wurde bereits bereinigt.»
Die Skepsis gegenüber KI als Risikofaktor steht im Kontrast zur aktuellen Marktentwicklung. Während Bitcoin trotz eines Anstiegs von 13 % im vergangenen Monat auf etwa 77.000 US-Dollar gehandelt wird – immer noch rund 40 % unter seinem Oktober-Höchststand –, verzeichnet der S&P 500 neue Rekordwerte. Auch Gold als traditionelle Anlageklasse performt besser als die Kryptowährung.
Doch die Zuflüsse in Bitcoin-ETFs zeigen, dass das Interesse institutioneller Anleger ungebrochen ist. Im April flossen fast zwei Milliarden US-Dollar in diese Fonds – die beste Performance seit Oktober, wie Daten von DefiLlama belegen.
Wie gefährlich ist Mythos wirklich?
Das neue KI-Modell von Anthropic könnte theoretisch «Zero-Day-Exploits» finden und nutzen – also Sicherheitslücken, die Entwicklern noch unbekannt sind. Diese Fähigkeit betrifft nicht nur Betriebssysteme, sondern auch Web-Browser. Während große Börsen wie Coinbase und Binance bereits Zugang zu Mythos anstreben, bleibt der Großteil der Kryptobranche außen vor.
Die Dringlichkeit, das Modell einzusetzen, ergibt sich aus seinen potenziellen Auswirkungen. Deddy Lavid, Leiter des Cybersicherheitsunternehmens Cyvers Alert, warnt: «Wenn KI in der Lage ist, Schwachstellen im Internet in großem Maßstab zu finden, könnte die Kryptobranche einer der ersten betroffenen Sektoren sein.» Der Grund: Die Branche ist stark abhängig von Browsern, Wallets und Open-Source-Tools, die direkt mit der Abwicklung von Transaktionen verbunden sind.
Die finanziellen Risiken sind bereits heute beträchtlich. Laut Chainalysis beliefen sich die Verluste durch Hacks und Angriffe in der Kryptobranche im Jahr 2025 bereits auf rund 3,4 Milliarden US-Dollar.
Fazit: KI als Game-Changer – aber keine Panik
Während die technologischen Fortschritte von KI wie Mythos neue Herausforderungen mit sich bringen, zeigt die Reaktion der Märkte, dass institutionelle Investoren nicht in Hysterie verfallen. Bitcoin bleibt trotz kurzfristiger Schwankungen ein zentraler Baustein in den Portfolios vieler Anleger. Die Branche steht vor der Aufgabe, sich besser gegen solche Bedrohungen zu wappnen – doch die Zuversicht der Investoren bleibt vorerst ungebrochen.