Die offiziellen Besucherzahlen des NFL-Drafts steigen, doch die TV-Einschaltquoten sinken. Während die NFL versucht, ihre Offseason-Events noch attraktiver zu gestalten, verzeichnet die Übertragung des Drafts 2026 einen Rückgang: Von 13,6 Millionen auf nur noch 13,2 Millionen Zuschauer über alle Plattformen hinweg – von ABC und ESPN bis hin zu YouTube und der ESPN-App.
Die NFL hatte einst damit geliebäugelt, die erste Runde des Drafts wie eine Wahlveranstaltung zu inszenieren und dafür sogar die Prime-Time-Sender ABC, CBS, Fox und NBC zu mobilisieren. Doch diese Pläne wurden längst ad acta gelegt. In einer Zeit, in der Streaming-Dienste und On-Demand-Angebote dominieren, verliert die klassische TV-Übertragung an Strahlkraft. Wer kein Interesse hat, schaltet einfach weg – unabhängig vom Sender.
Die 13,2 Millionen Zuschauer mögen in der fragmentierten Medienlandschaft beeindruckend wirken, doch im Vergleich zu anderen NFL-Formaten fällt die Bilanz ernüchternd aus. So liegt die Einschaltquote des Drafts um mehr als zwei Millionen unter dem wöchentlichen Durchschnitt von Thursday Night Football, das nicht von einem der großen Networks, sondern von Prime Video übertragen wird.
Die Diskrepanz zwischen Hype und Realität ist unübersehbar. Trotz aller Inszenierung – von glamourösen Bühnen bis hin zu emotionalen Geschichten der ausgewählten Talente – bleibt der Draft für viele Fans ein Nischenevent. Für Hardcore-Fans mag er ein Highlight sein, doch für den durchschnittlichen Football-Zuschauer bewegt er sich auf dem Niveau eines Sortierhuts aus der Harry-Potter-Reihe: ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit, aber kein Muss.
Dabei ist die Zahl von 13,2 Millionen Zuschauern objektiv betrachtet durchaus respektabel. Doch im Vergleich zu einer durchschnittlichen Regular-Season-Spielübertragung an einem Donnerstagabend wirkt sie enttäuschend. Dennoch wird der Hype weiter geschürt: Prognostizierte Zahlen wie 805.000 Zuschauer sollen gezielt Neugier wecken – besonders bei jenen, die dem Draft bisher keine Beachtung schenken. Die Botschaft ist klar: Wer nicht zuschaut, verpasst angeblich etwas Wichtiges.
Doch die Realität sieht anders aus. Während 13,2 Millionen Zuschauer und rund 320.000 Besucher in Pittsburgh den Draft als großes Ereignis erleben, zucken viele Fußballfans nur mit den Schultern. Die mehrstündige Übertragung der ersten Runde auf verschiedenen Plattformen endet für sie mit einem lapidaren: „Na und?“