Nach dem verheerenden Hack bei Kelp DAO und LayerZero hat sich eine unerwartete Solidaritätswelle in der DeFi-Branche gebildet: Das Projekt DeFi United, initiiert von Aave, sammelt Spenden, um die Opfer des Angriffs zu entschädigen. Bisher wurden über 302 Millionen US-Dollar zusammengetragen – ein Großteil davon stammt von DAOs und Krypto-Unternehmen, die selbst von dem Vorfall betroffen sind.

Am 18. April nutzten Hacker, die mit Nordkorea in Verbindung gebracht werden, eine Schwachstelle in der LayerZero-Brücke von Kelp DAO aus. Dabei erbeuteten sie rund 293 Millionen US-Dollar in rsETH. Anschließend hinterlegten sie 200 Millionen US-Dollar als Sicherheit bei Aave und nahmen große Mengen Ether als Kredit auf. Dies führte bei Aave zu einem nicht einbringlichen Kreditrisiko von mindestens 177 Millionen US-Dollar.

Aave selbst wurde nicht gehackt, doch das Unternehmen zählt zu den Hauptgeschädigten: Durch die Panikreaktionen der Anleger sank die Einlagenbasis um fast 50 Prozent.

Großzügige Spenden von DAOs und Investoren

Aave Labs CEO Stani Kulechov kündigte an, 5.000 Ether im Wert von etwa 11 Millionen US-Dollar in den Fonds einzubringen. Weitere Unterstützer folgen: Arbitrum DAO, Mantle und Consensys haben jeweils mindestens 30.000 Ether zugesagt. Ether.Fi und Lido DAO steuern 5.000 bzw. 2.500 Ether bei. Auch Kelp DAO und LayerZero haben ihre Teilnahme angekündigt.

Überraschend ist, dass sich auch Unternehmen und Personen engagieren, die nicht direkt von dem Hack betroffen sind. So planen die Solana Foundation und Tron-Gründer Justin Sun, stabile Coins bei Aave zu hinterlegen – eine Maßnahme, die die Kreditmärkte stabilisieren soll. Beide verwiesen in ihren Ankündigungen explizit auf DeFi United.

Kritik an der Initiative

Nicht alle zeigen sich begeistert. Michael Bentley, ehemaliger CEO des Aave-Konkurrenten Euler Labs, bezeichnete die Aktion als „gute Marketingstrategie“. Auf X schrieb er:

„DeFi United klingt viel besser als ‚Rettungspaket‘.“

Auch innerhalb der Aave-Community gibt es Vorbehalte. Der Dienstleister TokenLogic schlug vor, 25.000 Ether (ca. 57 Millionen US-Dollar) aus dem DAO-Treasury beizusteuern. Einige Mitglieder kritisierten jedoch, dass die Spende ohne vorherige Reformen der Risikomanagement-Prozesse erfolgt. Robby Greenfield, Gründer von Tokédex, argumentierte, dass die Initiative zu viele Mittel ohne strukturelle Verbesserungen binde.

Trotz der Bedenken wurde der Vorschlag zur Abstimmung vorgelegt. TokenLogic betonte, dass die Diskussion über Risikomanagement eine separate Angelegenheit sei:

„Die Bedingung von Reformen als Voraussetzung für die Auszahlung würde zu Verzögerungen und Unsicherheit führen – in einer Situation, die schnelles, branchenweites Handeln erfordert.“

Die Abstimmung begann heute.

Ein Hoffnungsschimmer in der Krypto-Krise

Der Hack löste eine Vertrauenskrise in der Krypto-Branche aus. Die schnelle und gemeinschaftliche Reaktion durch DeFi United gibt der Community neuen Auftrieb. Ob die Initiative langfristig das verlorene Vertrauen wiederherstellen kann, bleibt jedoch offen.

Quelle: DL News