Anthropic startet Identitätsprüfung für ausgewählte Claude-Nutzer

Anthropic führt schrittweise eine Identitätsprüfung für Nutzer des KI-Chatbots Claude ein. Betroffen sind jedoch nur bestimmte Anwendungsfälle, die mit potenziell betrügerischem oder missbräuchlichem Verhalten in Verbindung stehen. Die genauen Fälle wurden nicht öffentlich genannt, doch Anthropic bestätigt, dass Nutzer bei der Nutzung bestimmter Funktionen aufgefordert werden könnten, ihre Identität nachzuweisen.

So funktioniert die Überprüfung

Um die Identität zu verifizieren, müssen Nutzer ein gültiges, physisches Ausweisdokument vorlegen. Zusätzlich ist ein Selfie per Kamera erforderlich. Das System vergleicht das Selfie mit dem Foto auf dem Ausweis. Die Daten werden dabei von Persona Identities verarbeitet, einem Dienstleister, der auch für OpenAI und Roblox tätig ist.

Kritik an der Identitätsprüfung

Viele Nutzer zeigen sich verunsichert. Besonders umstritten ist der Einsatz von Persona Identities, einem Unternehmen mit Verbindungen zu Peter Thiel und dessen Überwachungsfirma Palantir. Palantir arbeitet unter anderem mit US-Behörden wie FBI, CIA und Einwanderungsbehörden zusammen – ein Faktor, der bei Nutzern Misstrauen auslöst.

Die Hauptkritikpunkte:

  • Unklare Notwendigkeit der Identitätsprüfung, insbesondere bei zahlenden Nutzern, deren Kreditkartendaten bereits vorliegen
  • Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Weitergabe von Daten an Dritte
  • Zweifel an der Unabhängigkeit von Persona Identities aufgrund der Verbindungen zu Palantir

Anthropic betont Datensicherheit

Anthropic versichert, dass Persona Identities die Daten nicht speichert oder kopiert. Die Verarbeitung sei vertraglich eingeschränkt, und alle Daten würden verschlüsselt übertragen und gespeichert. Zudem betont das Unternehmen:

„Die Identitätsdaten werden nicht für das Training unserer KI-Modelle verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.“

Aktualisierung: Nur bei Verdacht auf Missbrauch

Auf Nachfrage von Engadget erklärte ein Sprecher von Anthropic am 16. April 2026:

„Diese Maßnahme gilt nur für Fälle, in denen Aktivitäten auf potenziell betrügerisches oder missbräuchliches Verhalten hindeuten, das gegen unsere Nutzungsrichtlinien verstößt.“

Damit wird deutlich, dass die Identitätsprüfung nicht pauschal für alle Nutzer gilt, sondern nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommt.

Quelle: Engadget