Der Washington-Korrespondent von CBS News, Major Garrett, führte am Sonntag ein vielbeachtetes Interview mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu. Es war das erste US-weite TV-Interview des Politikers seit dem jüngsten Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten.

Doch wie das Magazin Status berichtet, war Garrett ursprünglich nicht für dieses Gespräch vorgesehen. Die Entscheidung, das Interview zu führen, traf CBS-Chefredakteurin Bari Weiss persönlich. Sie übergab die Zusage an Garrett und platzierte das Gespräch in der Sendung „60 Minutes“ – obwohl der langjährige Korrespondent Lesley Stahl und ihr Team monatelang versucht hatten, Netanyahu selbst zu interviewen.

Ein CBS-Sprecher verteidigte die Entscheidung:

„Es gehört zu den Aufgaben der Chefredaktion, über Buchungen und Interviews zu entscheiden. Major Garrett ist ein herausragender Journalist, der ein hartes, faires und wegweisendes Interview geführt hat.“

Die umstrittene Vorgehensweise von Weiss ist kein Einzelfall. Seit ihrem Amtsantritt vor etwa sieben Monaten hat sie mehrfach in die redaktionelle Arbeit von „60 Minutes“ eingegriffen. So wurde ein von Sharyn Alfonsi geleitetes Segment zur Einwanderungspolitik der Trump-Administration vorübergehend gestoppt, und ein von Anderson Cooper geplantes Feature über die Aufnahme weißer Flüchtlinge aus Südafrika verzögert. Beide Entscheidungen sorgten für Unmut im Team. Cooper wird die Sendung nach dieser Saison verlassen.

Laut Status handelte es sich bereits um das zweite Mal, dass Weiss ein Interview selbst akquirierte und anschließend an Garrett weitergab. Im März hatte sie einen Auftritt des damaligen Verteidigungsministers Pete Hegseth in „60 Minutes“ organisiert – ebenfalls mit Garrett als Interviewer. Auch dieser Schritt stieß im Team auf Kritik.

Die aktuelle Entscheidung sorgte jedoch für besondere Spannungen, da Lesley Stahl seit Monaten versucht hatte, Netanyahu für ein Interview zu gewinnen. Berichten zufolge erwog CBS sogar, das Gespräch in einer anderen Sendung zu platzieren. Da Netanyahu jedoch nur am Samstag für die Aufzeichnung verfügbar war, entschied Weiss schließlich, das Interview in „60 Minutes“ zu senden.

Quelle: The Wrap