Autonome Rasenmäher mit scharfen Klingen, die durch den Garten fahren, sind bereits eine umstrittene Idee. Doch was passiert, wenn diese Geräte auch noch mit dem Internet verbunden sind? Eine gefährliche Kombination, wie ein aktueller Vorfall zeigt.
Hacker übernimmt Kontrolle über Yarbo-Rasenmäher
Der Journalist Sean Hollister vom Technologieportal The Verge wurde zum unfreiwilligen Opfer eines Hackers. Andreas Makris, ein ethischer Hacker aus Deutschland, übernahm die Kontrolle über Hollisters Yarbo-Rasenmäher und setzte ihn gezielt in Gefahr. In einem dramatischen Bericht beschreibt Hollister, wie der 200 Kilogramm schwere Roboter ihn mit seinem Körpergewicht auf den Boden drückte und sich langsam über seine Brust bewegte.
„Ich liege im Dreck. Er kommt auf mich zu. Mit einem Ruck klettert er über meine Brust. Wenn Andreas Makris den Roboter nicht rechtzeitig stoppt, könnte er mich mit seinen Klingen verletzen.“
Glücklicherweise blieb Hollister unverletzt – doch der Vorfall wirft ernste Fragen zur Sicherheit vernetzter Geräte auf.
Schwachstelle betrifft tausende Geräte weltweit
Makris entdeckte, dass die Yarbo-Rasenmäher über eine kritische Sicherheitslücke verfügen: Alle Geräte nutzen dasselbe Root-Passwort. Ein Angreifer könnte damit nicht nur einzelne Geräte, sondern gleich eine ganze „Armee“ von Rasenmähern übernehmen. Makris erstellte sogar eine Karte mit über 11.000 Yarbo-Geräten weltweit, die potenziell angreifbar sind.
Die möglichen Szenarien reichen von harmloser Sabotage bis hin zu schwerwiegenden Straftaten:
- Nachbarschaftsstreit: Ein Hacker könnte gezielt Rasenmäher eines Nachbarn manipulieren.
- UFO-Hysterie: Durch gezielte Manipulation könnten mysteriöse Muster in Gärten entstehen.
- Spionage oder Diebstahl: Hacker könnten GPS-Daten auslesen oder die Geräte stehlen.
- Körperliche Gefahr: Im schlimmsten Fall könnten Angreifer die scharfen Klingen gegen Menschen einsetzen.
Hersteller ignorierte Warnungen – bis zum Live-Experiment
Makris versuchte zunächst, den Hersteller Yarbo auf die Sicherheitslücke aufmerksam zu machen. Doch das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und behauptete, die Geräte seien „vollständig sicher“. Daraufhin initiierte Hollister gemeinsam mit Makris ein Live-Experiment, bei dem der Roboter den Journalisten fast überrollte – um die Gefahr zu demonstrieren.
Doch die Sicherheitslücke ist noch tiefer: Makris fand heraus, dass Yarbo eine absichtliche Hintertür in die Geräte eingebaut hat. Diese ermöglicht den ferngesteuerten Zugriff auf die Rasenmäher – und kann vom Besitzer nicht deaktiviert werden. Selbst ein Passwortwechsel hilft nicht, da das System nach jedem Firmware-Update automatisch zum Standard-Passwort zurückkehrt.
„Die Hintertür wird automatisch auf jedem Gerät installiert, kann nicht deaktiviert werden und wird sogar wiederhergestellt, wenn sie entfernt wird.“ – Andreas Makris
Fazit: Vernetzte Geräte brauchen strengere Sicherheitsstandards
Der Vorfall zeigt, wie gefährlich ungesicherte IoT-Geräte sein können. Selbst vermeintlich harmlose Produkte wie Rasenmäher können zur Waffe werden, wenn sie gehackt werden. Experten fordern strengere Sicherheitszertifizierungen für vernetzte Geräte, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
Yarbo hat auf die Enthüllungen noch nicht öffentlich reagiert. Makris veröffentlichte seine Erkenntnisse, nachdem der Hersteller seine Warnungen ignorierte – und demonstrierte damit eindrücklich, wie real die Gefahr ist.