Tokio – Der japanische Automobilhersteller Honda zeigt sich nach massiven Verlusten im Elektroauto-Bereich entschlossen, seine Strategie in den USA neu auszurichten. Mit einem historischen Verlust von über 9 Milliarden Dollar im ersten Quartal dieses Jahres und dem ersten operativen Verlust in der Unternehmensgeschichte sieht sich der Konzern gezwungen, seine Pläne für reine Elektrofahrzeuge zu überdenken.
Die US-Regierungspolitik hat den Elektroauto-Markt in den USA stark beeinträchtigt. Der Wegfall von Steuervergünstigungen für saubere Fahrzeuge, die Kürzung von Fördermitteln für Ladestationen sowie unberechenbare Zollmaßnahmen führten zu einem Rückgang der E-Auto-Verkäufe um 28 Prozent im ersten Quartal 2024. Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zu der früheren Euphorie, als viele Hersteller auf eine vollständige Elektrifizierung ihrer Modellpalette setzten und damit hohe Aktienkurse rechtfertigten.
Honda reagiert nun mit einem Strategiewechsel: Das Unternehmen hat die Produktion von drei geplanten Elektrofahrzeugen in Ohio gestrichen und zwei weitere E-Auto-Projekte in Zusammenarbeit mit Sony auf Eis gelegt. Stattdessen setzt Honda auf Hybridtechnologien, um die Nachfrage in den USA zu bedienen und die finanzielle Belastung zu verringern.
Auf einer Pressekonferenz in Tokio erklärte Honda-Chef Toshihiro Mibe, dass das Unternehmen seine Geschäftsstrategie grundlegend überarbeiten werde. «Wir müssen uns an die veränderten Marktbedingungen anpassen und unsere Ressourcen dort einsetzen, wo sie den größten Nutzen bringen», so Mibe. Die neuen Hybridmodelle sollen ab 2025 auf den US-Markt kommen und die Lücke schließen, die durch die gestrichenen E-Auto-Projekte entstanden ist.
Experten sehen in dieser Entscheidung einen Wendepunkt für die globale Automobilindustrie. «Die US-Politik hat gezeigt, wie schnell sich die Rahmenbedingungen für E-Autos ändern können», sagt ein Branchenanalyst. «Hersteller wie Honda müssen flexibel bleiben, um in einem unsicheren Marktumfeld zu bestehen.»