Für den Großteil der Menschheitsgeschichte wäre die Vorstellung, Arbeit solle „Spaß machen“, bestenfalls absurd, schlimmstenfalls sogar beleidigend erschienen. Man stelle sich einen römischen Galeerensklaven vor, an ein Ruder gekettet, oder einen mittelalterlichen Leibeigenen, an Land und Herrn gebunden. Oder einen Arbeiter in einer Textilfabrik des 19. Jahrhunderts, der in stickigen, fensterlosen Räumen Lungenflusen einatmete. Selbst Berufe, die heute romantisiert werden – wie Schmiede, Seefahrer oder frühe Ärzte – verlangten lange Arbeitszeiten, hohe Risiken und minimale Selbstbestimmung. Arbeit war im Kern eine notwendige Last: gefährlich, eintönig und selten freiwillig gewählt. Die Forderung, sie solle auch noch angenehm sein, hätte gewirkt, als würde man in einer Hungersnot nach Dessert fragen.
Die moderne Umdeutung der Arbeit
Doch das letzte Jahrhundert – und besonders die letzten zwei Jahrzehnte – markiert eine bemerkenswerte Abkehr von diesem Bild. Für einen Teil der globalen Arbeitskräfte wurde Arbeit nicht nur erträglich, sondern sogar erfüllend oder gar vergnüglich. Büros verwandelten sich in Erwachsenen-Spielplätze. Vor allem Tech-Firmen aus dem Silicon Valley setzten Maßstäbe: Sushi-Köche, kostenlose Kombucha-Automaten, Ruheräume, firmeneigene Fitnessstudios und organisierte Social Events prägten den Arbeitsalltag. Der Aufstieg – und teilweise die Instrumentalisierung – von „Unternehmenskultur“ als strategischem Asset veränderte die Perspektive: Arbeit wurde zu einem Erlebnis, nicht mehr nur zu einer Transaktion.
Parallel dazu verwischten Mitarbeiter-Wohlfahrtsprogramme, flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, remote oder hybrid zu arbeiten, die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben. Auch die Arbeit selbst erfuhr ein subtiles Rebranding. Karrieren waren nicht mehr nur Jobs, sondern wurden zu Vehikeln für Identität, Sinnstiftung und Selbstverwirklichung. Mitarbeiter wurden ermutigt, „ihre ganze Persönlichkeit bei der Arbeit einzubringen“, um Bedeutung in ihrer Tätigkeit zu finden – und zu erwarten, dass der Arbeitgeber dieses Wachstum fördert. Unternehmen übernahmen zunehmend die Logik von Konsumgütermärkten: Mitarbeiter wurden zu internen Kunden, denen Coachings, Führungsvorträge, maßgeschneiderte Lernpfade und sogar quasi-private Communitys angeboten wurden.
„Work hard, play hard“ – ein fragwürdiger Deal
Hinzu kam zeitweise ein performativer Ethos: die Kultur des „Work hard, play hard“. Popularisiert Ende des 20. Jahrhunderts und institutionalisiert in Beratungsfirmen, Investmentbanken und später Tech-Unternehmen, versprach sie, intensive Arbeit durch Ausgelassenheit auszugleichen. Lange Arbeitszeiten wurden mit Team-Events, luxuriösen Partys und einem Gemeinschaftsgefühl belohnt, das unter Druck entstand. Theoretisch schien dies ein fairer Deal. In der Praxis war er es oft nicht: Das „Play“ erwies sich als episodisch, das „Work“ als dauerhaft.
Als Technologie die zeitlichen Grenzen auflöste, verschlechterte sich die Bilanz weiter. Heute hat sich die Kultur bei vielen in etwas Ungleichgewichtiges verwandelt: „Work hard, then remain on call“ – hart arbeiten und dann ständig verfügbar sein. Diese Entwicklung hätte selbst John Maynard Keynes verblüfft. Der berühmte Ökonom prognostizierte 1930 in seinem Essay „Wirtschaftliche Möglichkeiten für unsere Enkel“, technologischer Fortschritt würde die Arbeitswoche bis zur Jahrtausendwende auf etwa 15 Stunden reduzieren. Er lag nicht falsch, was die Produktivitätsgewinne angeht. Doch was er unterschätzte, war unsere Fähigkeit, Effizienzsteigerungen nicht in mehr Freizeit, sondern in höhere Erwartungen umzuwandeln. Statt weniger zu arbeiten, haben wir uns – freiwillig oder durch äußeren Druck – dafür entschieden, anders und oft mehr zu arbeiten.
Die harte Realität hinter dem Glanz
Doch wie bei den meisten utopischen Projekten zählt auch hier der Kleingedruckte. Hinter dem Image von Kombucha-Automaten und Achtsamkeitssitzungen verbirgt sich eine weniger romantische Wahrheit. Viele