Während der Dreharbeiten zu „Leaving Las Vegas“ im Jahr 1995 erlebte Regisseur Mike Figgis eine der ungewöhnlichsten Erfahrungen seiner Karriere. Der Grund: Hauptdarsteller Nicolas Cage wollte sich so sehr in seine Rolle vertiefen, dass er dabei die Grenzen des Machbaren überschritt.

In einem exklusiven Interview mit The Times of London berichtete Figgis von einem besonders extremen Vorfall: Cage trank vor einer Szene eine ganze Flasche Wodka – obwohl der Regisseur dies ausdrücklich verboten hatte. „Ich war wütend“, so Figgis. „Aber als ich die Szene später sah, war sie großartig.“

Der Schauspieler hatte sich offenbar so sehr in seine Figur des alkoholkranken Ben Sanderson hineinversetzt, dass er tatsächlich betrunken auf dem Set ankam. „Er wollte betrunken sein, und ich sagte nein“, erklärte Figgis. „Trotzdem trank er die Flasche Wodka und demolierte anschließend ein Casino.“ Die Szene, in der Cage seine Figur authentisch verkörperte, wurde zu einem der markantesten Momente des Films.

Von „Leaving Las Vegas“ zu „Megadoc“: Eine ungewöhnliche Begegnung

Die Zusammenarbeit mit Cage brachte Figgis nicht nur unvergessliche Dreharbeiten ein, sondern auch eine überraschende neue Bekanntschaft: den legendären Regisseur Francis Ford Coppola. „Wir hatten ein faszinierendes Gespräch und wurden zu Fernfreunden“, erinnerte sich Figgis. Aus dieser Begegnung entstand später der Dokumentarfilm „Megadoc“, der Coppolas jahrzehntelange Bemühungen um seinen Film „Megalopolis“ dokumentiert.

Figgis, der selbst „Megadoc“ (2025) inszenierte, äußerte sich kritisch über Coppolas Arbeitsweise. Seiner Meinung nach blockierte sich der „Pate“-Regisseur selbst, indem er sich zu sehr in Details verlor und nicht die nötige kreative Freiheit zuließ. Zudem verteidigte Figgis den umstrittenen Film vehement: „Das war respektlos. Zweifellos hatte Francis eine klare Vision mit diesem Projekt.“

Kritik an „Megadoc“: Figgis wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Dokumentarfilm über Coppolas gescheiterten Film „Megalopolis“ erhielt gemischte Reaktionen. Figgis räumte ein, dass der Erfolg des Films bei Kritikern und Publikum ihn selbst verunsichert habe. „Hätte ich einen Film gemacht, für den ich brenne, und jemand anderes hätte eine günstige Dokumentation darüber gedreht, die dann ein Kritikerliebling wird – wäre ich sauer? Wahrscheinlich nicht öffentlich, aber privat schon“, gestand er ein.

Trotz der Kontroversen bleibt Figgis überzeugt von Coppolas Vision. „Francis hatte etwas zu sagen – und das sollte man respektieren“, betonte er. Sein eigener Film „Megadoc“ wirft dabei einen schonungslosen Blick auf die Höhen und Tiefen eines der ambitioniertesten Filmprojekte der letzten Jahrzehnte.

„Ohne Zweifel hatte Francis eine klare Botschaft mit ‚Megalopolis‘. Dass jemand diese Vision mit einem Dokumentarfilm einfängt, der dann erfolgreich wird, ist für den Betroffenen nicht einfach.“
– Mike Figgis, Regisseur von „Megadoc“

Das vollständige Interview mit Mike Figgis ist in The Times of London nachzulesen.

Quelle: The Wrap