Strompreise in den USA erreichen neue Höchststände

Die Strompreise in den USA sind im vergangenen Monat erneut gestiegen. Wie Heatmap und das MIT Electricity Price Hub in einer aktuellen Datenauswertung zeigen, lag der nationale Durchschnittspreis 6,7 % über dem Vorjahresmonat. Die 12-Monats-Durchschnittsrate, die saisonale Schwankungen ausgleicht, stieg um 6,5 % im Vergleich zum Vorjahr.

Diese Werte markieren zwar neue Rekordstände – ein Trend, der sich bei Strompreisen über die Jahre hinweg fortsetzt. Doch der Anstieg im April war laut Emily Pontecorvo von Heatmap nicht ungewöhnlich. „Die nationalen Strompreise steigen seit Jahresbeginn in einem ähnlichen Tempo wie in den vergangenen fünf Jahren, mit Ausnahme von 2022, als die Gaspreise stark anstiegen“, erklärt sie. Da Gaskraftwerke einen Großteil der US-Stromerzeugung ausmachen, wirkt sich der Gaspreis besonders stark auf die Stromkosten aus.

Regionale Unterschiede: Einige Bundesstaaten besonders betroffen

Während der nationale Durchschnittsanstieg moderat ausfiel, verzeichneten einige Regionen deutlich höhere Preissteigerungen. In New Jersey stiegen die 12-Monats-Durchschnittspreise um 21 %, in Washington, D.C. sogar um 25 %. Der Grund liegt in der Überlastung des Strommarktes PJM, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Zudem zeigen die Daten, dass Strompreise auch durch temporäre Faktoren beeinflusst werden können. In Bundesstaaten wie Kalifornien und Massachusetts wurden Dividenden oder Rückerstattungen ausgezahlt, die die Stromrechnungen in heißen Monaten senkten, wenn die Nachfrage ohnehin hoch ist.

Politischer Widerstand gegen Rechenzentren wächst

Parallel zu den steigenden Strompreisen nimmt der Widerstand gegen den Bau von Rechenzentren zu. Wie Robinson Meyer von Heatmap berichtet, wurden im ersten Quartal 2026 mindestens 20 geplante Rechenzentren aufgrund lokaler Proteste abgesagt. Dies übertrifft den bisherigen Rekord aus dem Vorquartal.

Zusätzlich wurden im selben Zeitraum rund 100 neue Konflikte um Rechenzentren in die Datenbank von Heatmap Pro aufgenommen. „Die Absagen zeigen, dass der Widerstand gegen den Bau von Rechenzentren noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat“, so Meyer. Viele Projekte, darunter auch solche von Elon Musk, erfüllen nicht die versprochenen Nachhaltigkeitsstandards, was die Kritik weiter verstärkt.

Ausblick: Energiepolitik und Infrastruktur unter Druck

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen die Herausforderungen der US-Energiepolitik. Während die Strompreise weiter steigen, wächst gleichzeitig der politische Druck auf energieintensive Projekte wie Rechenzentren. Experten warnen, dass ohne gezielte Maßnahmen die Versorgungssicherheit und die Kosten für Verbraucher weiter belastet werden könnten.