Quecksilberverseuchung durch Goldabbau im Amazonas

In der Küche von Alnice Poxo Munduruku wird frischer Fisch zubereitet – ein Grundnahrungsmittel für die Bewohner des Tapajós-Flusses. Während die Familie den Fisch reinigt, wird der elfjährige Aleckson beobachtet. Seit seiner Geburt leidet er an Zerebralparese, die seine Bewegungsfähigkeit und Sprache einschränkt. Wie alle hier liebt er Fisch. Doch die Mahlzeiten bergen eine unsichtbare Gefahr: Tests des Oswaldo Cruz Instituts (Fiocruz) zeigen, dass Aleckson, seine Eltern und fast alle Anwohner der Region Quecksilberwerte über dem Grenzwert aufweisen. Die Kontamination stammt aus dem Goldabbau, bei dem Quecksilber zur Metalltrennung eingesetzt wird und über die Flüsse in die Nahrungskette gelangt.

Goldwäsche durch staatlich genehmigte Lizenzen

Diese Vergiftung ist nicht nur auf illegale Minen zurückzuführen, sondern auch auf Entscheidungen und Unterlassungen der brasilianischen Regierung. Eine exklusive Untersuchung von InfoAmazonia zeigt, dass die Nationale Bergbaubehörde (ANM) weiterhin Lizenzen mit Verdachtsmomenten vergibt. Dazu gehören Meldungen über Goldproduktion ohne nachweisbare Fördermengen – ein als „Goldwäsche“ bekannter illegaler Praktik.

Von Kleinstbergbau zu industrieller Ausbeutung

Die Garimpeiro-Mining-Permits (PLGs), 1989 eingeführt, sollten eigentlich nur einfache Genehmigungen für kleine, umweltverträgliche Betriebe sein. Doch aus dem einstigen Handwerksbergbau entwickelte sich eine industrielle Förderung mit schwerem Gerät, Saugbaggern und Quecksilber. Diese Lizenzen verleihen der großflächigen illegalen Goldgewinnung im Tapajós-Gebiet einen Anschein von Legalität und umgehen gesetzliche Beschränkungen.

Warnungen und Ermittlungen ignoriert

Seit über einem Jahrzehnt warnen Aufsichtsbehörden vor dem Missbrauch der PLGs. 2022 deckte der Rechnungshof der Union in einer Prüfung zahlreiche Verstöße auf. 2023 enthüllte die Operation Sisaque – durchgeführt von Bundespolizei, Steuerbehörde und Staatsanwaltschaft – eines der größten Goldwäsche-Netzwerke im Amazonas, das auf PLGs basierte. 2025 bestätigte der Bundesrechnungshof strukturelle Mängel, die die Legalisierung von illegal gefördertem Gold ermöglichen.

Systematische Goldwäsche durch staatliche Lizenzen

Trotz dieser Erkenntnisse zeigt unsere Recherche: Von 2022 bis 2026 wiesen 263 von 540 PLGs im Tapajós-Becken Goldverkäufe aus, ohne dass eine entsprechende Förderung nachgewiesen werden konnte. Dies deutet darauf hin, dass diese Lizenzen genutzt werden, um illegal gewonnenes Gold aus anderen Regionen zu „waschen“ und in den legalen Markt zu bringen. 70 Prozent des Bergbaus in der Region liegen innerhalb von 10 Kilometern um PLGs mit gemeldeter Goldproduktion. Diese Nähe legt nahe, dass illegale Minen – auch in Schutzgebieten und indigenen Territorien – diese Lizenzen nutzen, um ihr Gold zu legalisieren. Fast 60 Prozent des in Brasilien legal gehandelten Goldes passieren eine solche „Reinigung“.

Folgen für Mensch und Umwelt

Die Quecksilberbelastung hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung, insbesondere für Kinder wie Aleckson. Gleichzeitig ermöglicht das System der PLGs die systematische Verschleierung illegaler Goldgewinnung. Experten fordern eine Reform der Bergbaulizenzen und strengere Kontrollen, um die Umweltzerstörung und Gesundheitsrisiken im Amazonas zu beenden.

Quelle: Grist