Apple-CEO Tim Cook hat diese Woche seinen Rücktritt zum September bekannt gegeben. Sein Nachfolger wird John Ternus, derzeit Senior Vice President für Hardware-Engineering und seit 25 Jahren im Unternehmen. Der Wechsel war lange erwartet worden: Medien wie Bloomberg und die New York Times hatten Ternus bereits früh als möglichen Nachfolger gehandelt. Auch Apple selbst signalisierte die Übergabe – etwa bei der Vorstellung des MacBook Neo, als Ternus statt Cook die vorbereiteten Reden hielt.

Als Journalist, der Apple während Cooks Amtszeit begleitet hat, blicke ich auf 15 Jahre zurück, in denen sich das Unternehmen unter seiner Führung grundlegend verändert hat. Seit Cook 2011 die Nachfolge des erkrankten Steve Jobs antrat, hat Apple zwar weniger Überraschungen erlebt, aber eine beispiellose finanzielle Erfolgsgeschichte geschrieben. Einige Produkte floppten oder blieben hinter den Erwartungen zurück, doch die meisten Innovationen wurden durch konsequente Weiterentwicklung zu langfristigen Erfolgen.

Apple unter Tim Cook: Vom Innovationsführer zum Profit-Motor

Als Cook die Führung übernahm, stand Apple für bahnbrechende Produkte wie das iPhone, das iPad und den Mac. Unter seiner Ägide verlagerte sich der Fokus jedoch zunehmend auf Stabilität und Skalierung. Die folgenden sechs Punkte prägen mein Bild von Cooks Apple:

1. Finanzielle Dominanz und Rekordgewinne

Cooks größter Erfolg war es, Apple zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt zu machen. Mit einer Marktkapitalisierung von über drei Billionen Dollar und einem Jahresumsatz von fast 400 Milliarden Dollar setzte er neue Maßstäbe. Die Strategie: Hohe Margen durch Premium-Produkte und ein starkes Ökosystem aus Hardware, Software und Dienstleistungen.

2. Dienstleistungen als neues Standbein

Während Apple früher vor allem für Hardware bekannt war, baute Cook gezielt den Dienstleistungsbereich aus. Apple Music, Apple TV+, iCloud und der App Store entwickelten sich zu milliardenschweren Einnahmequellen. Diese Diversifizierung machte das Unternehmen weniger abhängig von Hardware-Verkäufen.

3. Weniger radikale Innovationen, mehr Evolution

Im Vergleich zur Ära Jobs brachte Cooks Führung weniger revolutionäre Produkte hervor. Stattdessen setzte Apple auf inkrementelle Verbesserungen – etwa beim iPhone oder MacBook. Einige Projekte wie der Apple Watch oder die AirPods wurden zu langfristigen Erfolgen, während andere wie der HomePod oder der Mac Pro hinter den Erwartungen zurückblieben.

4. Lieferketten und Nachhaltigkeit als Prioritäten

Cook trieb die Professionalisierung der Lieferkette voran und machte Apple zum Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Das Unternehmen verpflichtete sich zu 100 % erneuerbaren Energien und reduzierte den CO₂-Fußabdruck. Kritiker bemängeln jedoch, dass viele Fortschritte erst durch öffentlichen Druck möglich wurden.

5. Datenschutz als Markenzeichen

Apple positionierte sich unter Cook als Vorreiter im Datenschutz. Mit Funktionen wie App-Tracking-Transparenz oder verschlüsselten iCloud-Backups setzte das Unternehmen neue Standards – oft zum Ärger von Werbeindustrie und Regierungen.

6. Die China-Frage: Erfolg mit Schattenseiten

Apples enge Bindung an China brachte enorme Gewinne, warf aber auch ethische Fragen auf. Die Zusammenarbeit mit Zulieferern wie Foxconn stand wiederholt in der Kritik, etwa wegen Arbeitsbedingungen oder Umweltstandards. Gleichzeitig wurde China zum wichtigsten Absatzmarkt für Apple.

Cooks Vermächtnis: Ein finanziell starkes, aber weniger disruptives Apple

Tim Cooks Amtszeit war geprägt von Stabilität und Wachstum. Er führte Apple durch eine Phase beispielloser finanzieller Erfolge, doch die Innovationskraft der Steve-Jobs-Ära blieb unerreicht. Sein größter Erfolg war es, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen – auch ohne radikale Neuerungen. Mit John Ternus übergibt er nun die Führung an einen Techniker, der das operative Geschäft seit Jahren prägt.

Die Frage bleibt: Wird Apple unter Ternus wieder mehr wagen oder den eingeschlagenen Kurs fortsetzen? Eines ist sicher: Cook hinterlässt ein Unternehmen, das finanziell unangreifbar ist – aber auch eines, das weniger für Überraschungen sorgen wird.