Immer mehr Mitarbeiter in US-Wahlkampfteams nutzen geheime Informationen, um auf den Erfolg ihrer Kandidaten zu wetten – und verdienen dabei Tausende Dollar. Wie NPR berichtet, hat sich das Wetten auf politische Kandidaten in der Branche längst etabliert. Selbst interne Umfragen, die vor der Veröffentlichung an das Team weitergegeben werden, lösen regelrechte Wettwellen aus.

Ein Mitarbeiter einer landesweiten Kampagne im Süden der USA schilderte gegenüber NPR, wie eine externe Umfrage, die vorab an das Team kommuniziert wurde, zu internen Wetten führte. Obwohl die internen Daten eine schlechtere Performance des Kandidaten zeigten, setzte das Team auf dessen Erfolg: „Ich und andere haben vor Veröffentlichung der Umfrage gewettet – und als sie dann rauskam, stiegen die Quoten, und alle haben Geld verdient.“

Trotz jüngster Versuche von Prognosemärkten wie Kalshi, solche Wetten einzudämmen, scheint die Praxis weit verbreitet. Ende April sperrte Kalshi mehrere politische Kandidaten und verhängte Geldstrafen, nachdem eine interne Untersuchung ergab, dass diese auf sich selbst gewettet hatten. „Wenn man Zugang zu Informationen hat, die noch nicht öffentlich sind, wäre es fast fahrlässig, nicht darauf zu wetten“, erklärte der anonyme Mitarbeiter.

Wie funktioniert das Wetten auf Wahlkampagnen?

Der Prozess ist denkbar einfach: Ein Insider erhält Kenntnis von nicht veröffentlichten Umfragen und nutzt die noch unbekannten Quoten, um auf Plattformen wie PredictIt oder Polymarket zu wetten. Steigt die Umfrage zugunsten des Kandidaten, steigen auch die Quoten – und die Wetten bringen hohe Gewinne. „Der höchste Gewinn, den ich je gemacht habe, lag im vierstelligen Bereich“, so der Mitarbeiter.

Ethische und rechtliche Grauzone

Die Praxis wirft jedoch schwerwiegende Fragen auf. Kritiker sprechen bereits von „politischem Insiderhandel“, da Mitarbeiter ihr Insiderwissen für persönliche Finanzgewinne nutzen. Während einige Prognosemärkte versuchen, solche Wetten zu unterbinden, bleibt die rechtliche Lage unklar. Die US-Börsenaufsicht SEC hat sich bisher nicht eindeutig zu dem Thema geäußert.

Experten warnen vor den Risiken: Neben ethischen Bedenken könnte die Praxis das Vertrauen in den Wahlprozess untergraben. Gleichzeitig betonen Befürworter, dass solche Wetten die Transparenz erhöhen könnten, da sie frühzeitig auf Trends hinweisen.

Reaktionen der Branche

Während einige Kampagnenleiter die Wetten als harmloses Spiel abtun, fordern andere strengere Regeln. Die Plattformen selbst stehen in der Kritik, da sie den Handel mit sensiblen Daten ermöglichen. Kalshi hat nach den jüngsten Vorfällen seine Richtlinien verschärft und betont, dass solche Praktiken nicht toleriert werden.

Fest steht: Solange die Gewinne hoch und die Kontrollen niedrig sind, wird das Wetten auf Wahlkampagnen weitergehen – trotz aller ethischen und rechtlichen Bedenken.