Iranische Revolutionsgarde feuerte auf Tanker nach Krypto-Betrug
Ein Öl-Tanker wurde im Golf von Oman unter Beschuss genommen, nachdem die Crew einer betrügerischen Aufforderung zur Zahlung in Kryptowährungen für eine sichere Durchfahrt gefolgt war. Die Sanmar Herald, ein unter türkischer Flagge fahrender Tanker, meldete sich per Funk bei den iranischen Behörden – doch statt einer Bestätigung folgte Feuer.
Die dramatische Funkmeldung der Crew wurde von OSINTtechnical verbreitet:
„Sepah Navy, Sepah Navy, hier ist Motor Vessel Sanmar Herald. Sie haben mir die Durchfahrt genehmigt. Mein Name steht auf Ihrer Liste. Sie haben mir die Genehmigung erteilt. Jetzt schießen Sie. Lassen Sie mich umkehren.“
Laut dem UKMTO-Warnbericht 037-26 wurde der Tanker etwa 20 Seemeilen nordöstlich von Oman von zwei Booten der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) angehalten. Eine vorherige Funkwarnung blieb aus – stattdessen eröffneten die Boote das Feuer. Die Crew blieb unverletzt, der Tanker wurde beschädigt.
Falsche „Sicherheitsfreigabe“ in Krypto-Währung
Die britische Risikoanalysefirma MARISKS warnte Reedereien vor einer neuen Betrugsmasche: Unbekannte Akteure forderten Transitgebühren in Bitcoin oder Tether für eine sichere Passage durch die Straße von Hormuz. Mindestens ein Schiff, das am 18. April unter Beschuss geriet, soll auf diese Forderung hereingefallen sein.
Laut MARISKS umfasste das betrügerische Angebot:
- Eine „Prüfung durch iranische Sicherheitsdienste“
- Zahlung in BTC oder USDT
- „Ungehinderte Passage zum vereinbarten Zeitpunkt“
Die iranischen Behörden hatten zuvor tatsächlich Krypto-Zahlungen für Schiffspassagen angekündigt – ein Schritt, der die ohnehin angespannte Lage im strategisch wichtigen Seegebiet weiter destabilisiert.
Geopolitische Spannungen und neue Risiken für die Schifffahrt
Die Straße von Hormuz ist eine der meistbefahrenen und militarisierten Wasserstraßen der Welt. Durch die Kombination aus Sanktionen, politischen Machtkämpfen und nun auch Krypto-Betrug wird die Passage zu einem unberechenbaren Risiko für Reedereien.
Experten warnen, dass solche Vorfälle zunehmen könnten, da Cyberkriminelle und staatliche Akteure die Unsicherheit ausnutzen. Die Sanmar Herald ist nur ein Beispiel dafür, wie schnell aus einer vermeintlichen „Genehmigung“ eine lebensbedrohliche Situation werden kann.
Offene Fragen und weitere Ermittlungen
Während der Angriff und die betrügerische Zahlungsaufforderung dokumentiert sind, bleibt unklar, ob weitere Schiffe betroffen waren. Reuters konnte die genauen Empfänger der Krypto-Nachrichten nicht verifizieren. Dennoch zeigt der Vorfall, wie Kryptowährungen in geopolitische Konflikte eingebunden werden – mit realen Konsequenzen für die globale Schifffahrt.