Umstrittene Pläne: Entwickler will Satoshis Bitcoins umverteilen
Der langjährige Bitcoin-Entwickler Paul Sztorc hat mit einem radikalen Vorstoß für Aufsehen gesorgt. Er plant für August eine Hard Fork unter dem Namen eCash, die nicht nur die Bitcoin-Blockchain kopiert, sondern auch eine Umverteilung von Satoshi Nakamotos mutmaßlichen 1,1 Millionen Bitcoins vorsieht. Bei aktuellen Kursen entspricht das einem Wert von rund 40 Milliarden US-Dollar.
Sztorc begründet diesen Schritt mit der Finanzierung der neuen Blockchain:
"Diese Entscheidung wird zweifellos kontrovers sein. Aber ich halte sie für notwendig und sogar ideal."
Bisher galt es als unantastbares Prinzip im Bitcoin-Netzwerk, die ursprüngliche Verteilung der Coins zu respektieren – unabhängig davon, wann sie bewegt wurden. Keine der bisherigen Hard Forks (Bitcoin Cash, Bitcoin SV, Bitcoin Gold) hat Satoshis Bestände angerührt. Doch Sztorc sieht keine Alternative: Hard Forks stehen vor einem unlösbaren Finanzierungsproblem, da Infrastruktur vor dem Start aufgebaut werden muss, ohne Einnahmen oder Token-Verkäufe.
Was ist eCash?
Im Gegensatz zu Bitcoin Cash, das 2017 die Blockgröße erhöhte, setzt eCash auf Drivechains – Sztorcs Vorschlag für skalierbare Layer-2-Netzwerke, die Bitcoin-Entwickler seit Jahren ablehnen. Drivechains sind Sidechains, die von Bitcoin-Minern gesichert werden und neue Funktionen ermöglichen, ohne die Basisschicht zu verändern. Damit würde Bitcoin ähnliche Programmierbarkeit erhalten wie andere Blockchains.
Sztorc zufolge sind bereits sieben Layer-2-Projekte in Arbeit, darunter:
- Eine datenschutzorientierte Kette ähnlich Zcash
- Ein Vorhersagemarkt
- Eine dezentrale Börse
- Eine quantenresistente Blockchain
Bitcoin-Besitzer würden im Rahmen der Hard Fork eine 1:1-Umwandlung erhalten: Wer 4,19 Bitcoin besitzt, erhält 4,19 eCash.
Umstrittene Umverteilung: Wer profitiert von Satoshis Coins?
Doch das eigentliche Problem liegt in Sztorcs Plan, die umverteilten Coins an akkreditierte Investoren zu vergeben. Damit bricht er mit dem ursprünglichen Bitcoin-Gedanken, der 2009 ohne Vorverkauf, Risikokapital oder Insider-Deals auskam. Stattdessen wurden die Coins durch Mining verteilt – unter gleichen Bedingungen für alle.
Sztorcs Vorschlag wirft kritische Fragen auf:
- Wer genau sind die begünstigten Investoren?
- Wie sieht die Struktur der Verteilung aus?
- Über welchen Zeitraum erfolgt die Umverteilung?
- Was passiert, wenn Investoren die Coins massenhaft verkaufen?
Hard Forks: Chance oder Risiko für Bitcoin?
Hard Forks sind generell umstritten, da sie die Community spalten, Liquidität aufteilen und Nutzer vor die Wahl zwischen unterschiedlichen Visionen stellen. Trotz dieser Risiken plant Sztorc die Umsetzung – und riskiert damit, einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen. Ob die Bitcoin-Community diesen radikalen Schritt akzeptiert, bleibt abzuwarten.