Bitcoin steht vor einer der wichtigsten Handelswochen seit seiner Korrektur im Februar. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten treiben die Ölpreise nach oben, während Inflationserwartungen steigen und Optionshändler auf einen möglichen Ausbruch über die Marke von 85.000 US-Dollar setzen. Laut Daten von CryptoSlate gab es am Sonntag einen kurzen Rückgang, nachdem US-Präsident Donald Trump Irans jüngste Antwort auf ein US-Friedensangebot als „völlig inakzeptabel“ zurückwies. Anschließend erholte sich Bitcoin wieder auf über 82.000 US-Dollar, bevor es sich auf etwa 81.034 US-Dollar einpendelte.

Trotz der anhaltenden geopolitischen Risiken, die auch die Energiemärkte und Zinserwartungen beeinflussen, bleibt Bitcoin in einer engen Handelsspanne gefangen. Trump bezeichnete Irans Gegenangebot als „völlig inakzeptabel“, nachdem Teheran Kriegsreparationen, die Freigabe eingefrorener Finanzanlagen und die Anerkennung seiner Souveränität über die Straße von Hormus gefordert hatte. Diese Wasserstraße ist ein zentraler Konfliktpunkt im US-Iran-Streit, da sie eine der wichtigsten Routen für den globalen Öl- und Flüssiggastransport darstellt.

Die anhaltende Marktspannung stellt Bitcoin vor Herausforderungen: Ein länger anhaltender Ölpreisschock könnte die Inflation hochhalten, die Zinssenkungen der US-Notenbank Fed verzögern und spekulative Anlagen unter Druck setzen. Dennoch deutet die aktuelle Kursentwicklung darauf hin, dass Bitcoin bei rund 80.000 US-Dollar stabil bleibt. Gleichzeitig deuten Optionsdaten, Fondsströme und der US-Krypto-Kalender darauf hin, dass Händler das Risiko eines positiven Kursausbruchs möglicherweise unterschätzen.

Ölpreisschock bringt Inflation zurück in den Fokus

Der erste entscheidende Test steht am Dienstag an, wenn das Bureau of Labor Statistics die Verbraucherpreisindex-Daten (CPI) für April veröffentlicht. Die Märkte rechnen mit einer erneuten Beschleunigung der Inflation, ausgelöst durch den Anstieg der globalen Ölpreise. Ökonomen erwarten einen Anstieg des Gesamt-CPI um 0,6 % gegenüber März und um 3,7 % im Jahresvergleich – nach 3,3 % im März. Der Kern-CPI, der Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, soll bei etwa 2,7 % im Jahresvergleich bleiben.

Bereits im März zeigte sich die Belastung durch höhere Energiepreise: Der CPI stieg mit der schnellsten Jahresrate des Jahres an, wobei der Energiesektor stark zulegte, insbesondere durch gestiegene Benzinpreise. Der bevorstehende Bericht wird zeigen, ob der Ölpreisschock sich nur in der Gesamtinflation widerspiegelt oder bereits breiter in andere Güter- und Dienstleistungspreise übergegriffen hat.

David Auerbach, Chief Investment Officer bei Hoya Capital, betont, dass die anstehenden Daten die Erwartungen an den geldpolitischen Kurs der Fed prägen könnten. Neben dem CPI am Dienstag folgen am Mittwoch die Erzeugerpreise, am Donnerstag die Einzelhandelsumsätze und später in der Woche die Arbeitslosenanträge. Auerbach erwartet, dass der Gesamt-CPI einen deutlichen Anstieg aufgrund der Ölpreise zeigen wird, während der Kern-CPI genau beobachtet wird, um zu prüfen, ob sich die Energiekosten auf andere Bereiche ausweiten.

Prognosemärkte bestätigen die Erwartung einer hartnäckigen Inflation: Bei Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit bei 100 %, dass die Inflation bis 2026 über 3 % bleibt, und bei 94 %, dass sie 3,5 % übersteigt. Bei Kalshi wird für den April-CPI eine Jahresrate von über 3,2 % erwartet. Zudem sehen Händler bei Polymarket eine 55,6 %-Chance, dass die Fed 2026 keine Zinssenkungen durchführt, während die Wahrscheinlichkeit für eine unveränderte Zinsentscheidung beim FOMC-Treffen im Juni bei 95,5 % liegt.

Allerdings gibt es auch Gegenstimmen: Echtzeit-Inflationsindikatoren wie Truflation deuten auf eine mögliche Entspannung hin. Dennoch bleibt die Unsicherheit hoch, da die geopolitischen Entwicklungen und die Ölpreise weiterhin eine zentrale Rolle spielen.