Die 100.000-Dollar-Marke gilt als nächster entscheidender Ankerpunkt für Bitcoin-Investoren, sollte die Kryptowährung ihre Rallye fortsetzen. Das betont Luca Köymen, Investmentstratege bei Sygnum Bank, im Gespräch mit DL News. Zwei politische Entwicklungen in den USA könnten diesen Aufwärtstrend nachhaltig stärken: die mögliche Verabschiedung des Clarity Act sowie ein Führungswechsel bei der US-Notenbank Federal Reserve.

Strukturelle Veränderungen wichtiger als kurzfristige Zinsentscheidungen

„Die strukturellen Rahmenbedingungen sind der entscheidende Faktor“, so Köymen. „Ein klarer Zugang zu Bankdienstleistungen, keine Konkurrenz durch eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) und ein Fed-Chef, der Krypto als etabliert statt als exotisch betrachtet, sind weitaus bedeutender als kurzfristige Zinsentscheidungen.“

US-Präsident Donald Trump hat bereits per Dekret die Einführung einer CBDC in den USA verboten. Köymens Einschätzung fällt in eine Phase, in der Bitcoin in den letzten zwei Wochen um etwa 10 % zugelegt hat und aktuell bei rund 78.000 Dollar notiert – trotz eines noch bestehenden Abstands von 38 % zum Oktober-Hoch. Gleichzeitig erreichte der S&P 500 im April ein neues Rekordhoch.

Fed-Chefwechsel: Kevin Warsh als Game-Changer für Bitcoin?

Der aktuelle Fed-Chef Jerome Powell beendet seine Amtszeit am 15. Mai. Trump hat Kevin Warsh als Nachfolger nominiert – ein Befürworter von Kryptowährungen, dessen Bestätigung laut Köymen einen Wendepunkt für Bitcoin darstellen würde.

„Warsh ist der krypto-kompetenteste Fed-Chef der Geschichte. Er versteht die Technologie und hat Bitcoin öffentlich als disziplinierende Kraft gegen schlechte Politik bezeichnet.“

In seiner Senatsanhörung am Dienstag beschrieb Warsh sich selbst als „unabhängigen Akteur“ und betonte eine Politik der Bilanzreduzierung, strengere Inflationsmessung sowie datenbasierte Entscheidungen. Kurzfristig könnte dies die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen verringern. Allerdings haben sich die Fed-Futures-Märkte seit seiner Anhörung kaum verändert. Langfristig sieht Köymen diesen Kurs jedoch als unterstützend für Risikoassets an.

Politische Hürden und Marktprognosen

Trotz der positiven Aussichten gibt es Hindernisse: Warshs Bestätigung ist nicht sicher. Der republikanische Senator Thom Tillis blockiert die Ernennung und warnt vor Marktinstabilität durch Warshs Pläne. Prognosemärkte wie Polymarket schätzen die Chancen auf eine Bestätigung bis zum 15. Mai nur noch auf 28 % – ein deutlicher Rückgang gegenüber 92 % im März.

Selbst bei einer Bestätigung müsste Warsh mit 11 weiteren Fed-Gouverneuren zusammenarbeiten, um eine Richtungsänderung durchzusetzen. Dennoch bewertet Köymen den möglichen Führungswechsel als strukturellen Gewinn:

„Langfristig sehen wir die Ernennung von Warsh als Netto-Nutzen für Bitcoin und den gesamten Kryptomarkt.“

Potenzielle Reformen bei der Fed-Governance sowie Anpassungen der Supplementary Leverage Ratio könnten die Finanzbedingungen verbessern, so Köymen.

Clarity Act: Chance für klare Krypto-Regulierung

Auch der Clarity Act, das bisher bedeutendste US-Gesetz zur Krypto-Marktstruktur, würde Bitcoin zugutekommen, falls es verabschiedet wird. Allerdings wird das Zeitfenster dafür immer kleiner.

Alex Thorn, Analyst bei Galaxy Digital, schätzt die Chancen auf eine Verabschiedung in diesem Jahr nur noch auf 50 %. Der Senat priorisiert derzeit andere Themen wie die Iran-Debatte, die Finanzierung des Heimatschutzministeriums und einen vollen Nominierungsplan. „Wenn die Markup-Phase bis Mitte Mai verschoben wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung deutlich“, warnt Thorn.

Sollte der Clarity Act jedoch kommen, könnte dies die regulatorische Unsicherheit in den USA verringern und Bitcoin als Anlageklasse weiter legitimieren.

Quelle: DL News