Fervo: Geothermie-Unternehmen mit Öl- und Gas-Know-how geht an die Börse
Das in Houston ansässige Unternehmen Fervo, das seit 2017 an erweiterter Geothermie-Technologie arbeitet, hat am Freitag seinen Antrag auf einen Börsengang (IPO) eingereicht. Das Unternehmen nutzt hydraulische Frakturierungstechniken – ähnlich wie in der Öl- und Gasindustrie – um tief in die Erde zu bohren und Wärmequellen für die Stromerzeugung zu erschließen.
Fervo gilt seit Jahren als vielversprechender Player im Bereich sauberer Energien. Das Unternehmen verspricht 24/7 grundlastfähigen Strom und hat sich durch Investoren, Regierungsvertreter und Medien als innovativer Ansatz etabliert. Jetzt wird es öffentlich gehandelt – was der IPO-Antrag enthüllt, ist bemerkenswert.
Das Potenzial der erweiterten Geothermie
Der zentrale Punkt des S-1-Dokuments ist das enorme Marktpotenzial der erweiterten Geothermie (EGS). Fervo schätzt, dass allein sein Cape Station-Projekt in Utah ein Potenzial von 4,3 Gigawatt hat – mehr als die derzeit installierten 3,8 Gigawatt konventioneller Geothermie-Kapazitäten in den USA.
Laut Fervo könnte EGS die Geothermie so allgegenwärtig machen wie die Solarenergie heute. Zum Vergleich: Die USA verfügen derzeit über etwa 280 Gigawatt installierte Solarkapazität. Das Unternehmen sieht zudem ein Marktpotenzial von über 40 Gigawatt auf seinen untersuchten Flächen.
Eine Studie des Beratungsunternehmens Rystad prognostiziert: Bei einem Kapazitätsdefizit durch den Rückzug alter Kraftwerke (98 Gigawatt bis 2035) könnte der jährliche Markt für erweiterte Geothermie bis 2035 auf 70 Milliarden US-Dollar anwachsen. Über 30 Jahre gesehen entspricht das einem Umsatzpotenzial von 2,1 Billionen US-Dollar.
Erste Erfolge und zukünftige Projekte
Fervo produziert bereits Strom: Am Project Red in Nevada liefert das Unternehmen 3 Megawatt an das lokale Netz – im Rahmen einer Partnerschaft mit Google. Bis Ende 2026 soll die Cape Station in Utah ans Netz gehen und zunächst 100 Megawatt bis Anfang 2027 bereitstellen.
Insgesamt verfügt Fervo über 658 Megawatt an verbindlichen Stromabnahmeverträgen, was einem potenziellen Umsatz von 7,2 Milliarden US-Dollar entspricht. Darüber hinaus hat das Unternehmen 2,6 Gigawatt in fortgeschrittener Entwicklung und über 38 Gigawatt in frühen Projektphasen, in denen Machbarkeitsstudien laufen.
Kosten: Hoch, aber mit sinkender Tendenz
Die Stromerzeugungskosten am Cape Station-Projekt werden auf etwa 7.000 US-Dollar pro Kilowatt geschätzt. Zum Vergleich: Die Kosten für traditionelle und kleine modulare Kernkraftwerke liegen laut US-Energieministerium zwischen 6.000 und 10.000 US-Dollar pro Kilowatt.
Fervo strebt eine Senkung der Gesamtprojektkosten an, um wettbewerbsfähiger zu werden. Die Technologie nutzt bewährte Methoden aus der Öl- und Gasindustrie, was die Skalierung beschleunigen könnte.
Fazit: Geothermie als Schlüssel für saubere Grundlastenergie?
Der IPO-Antrag von Fervo unterstreicht das enorme Potenzial der erweiterten Geothermie. Mit ersten kommerziellen Projekten, ambitionierten Plänen und sinkenden Kosten könnte das Unternehmen eine zentrale Rolle in der Energiewende spielen. Ob die Technologie ihr Versprechen hält, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
„Erweiterte Geothermie hat das Potenzial, die Geothermie so allgegenwärtig zu machen wie die Solarenergie heute.“
Fervo, im S-1-Dokument