In den USA herrscht zwischen Demokraten und Republikanern selten Einigkeit – doch beim dringenden Bedarf an mehr Wohnraum sind sich beide Seiten einig. Die Gründe dafür mögen unterschiedlich sein: Die einen sehen darin eine Chance für neue Arbeitsplätze und wirtschaftliche Belebung, die anderen fordern bezahlbaren Wohnraum, um Obdachlosigkeit zu reduzieren. Doch ein entscheidender Vorteil von Mehrfamilienhäusern wird dabei oft übersehen: Sie sind deutlich klimafreundlicher als Einfamilienhäuser.
Eine neue Studie des Sightline Institute zeigt, dass neue Wohnungen eine „fast automatische Form der Gebäudedekarbonisierung“ darstellen. Der Grund: Rund drei Viertel aller neu gebauten Apartments werden elektrisch beheizt. Das ermöglicht den Einsatz von Solarstrom oder sauberem Strom aus dem Netz – statt klimaschädliches Erdgas in Heizungen oder Boilern zu verbrennen. Selbst die Trump-Administration und die republikanische Partei, die Klimaschutzmaßnahmen sonst oft zurückfahren wollen, fördern indirekt den Klimaschutz, indem sie den Bau neuer Wohnungen vorantreiben. So verabschiedete das tiefrote Bundesstaat Montana kürzlich mehrere Gesetze, um den Bau von Mehrfamilienhäusern zu beschleunigen.
„Apartments sind die Klimaschutzlösung, die direkt vor unserer Nase liegt“, sagt Alan Durning, Geschäftsführer des Sightline Institute und Autor der Studie. Zwar sind Einfamilienhäuser nicht grundsätzlich schlecht, doch Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen bieten mehrere Vorteile: Die Bewohner teilen sich Wände, Böden und Decken, was eine hervorragende Isolierung schafft. Zudem sind die Wohnflächen in der Regel kleiner als bei freistehenden Häusern, sodass weniger Energie für die Klimatisierung benötigt wird. Laut der Studie verursacht ein Bewohner eines Hochhauses im Stadtzentrum nur ein Drittel der Treibhausgase eines Bewohners eines Einfamilienhauses in den Vororten.
Aus wirtschaftlichen Gründen setzen Bauherren von Mietwohnungen seit Jahrzehnten auf elektrische Heizsysteme wie Fußbodenheizungen oder Radiatoren – statt auf Gasheizungen. Der Grund ist einfach: Die Installation ist günstiger als der Einbau von Gasleitungen. Amanda D. Smith, Senior-Wissenschaftlerin bei Project Drawdown und Expertin für nachhaltiges Bauen, erklärt: „Wenn ich etwas mit der Absicht baue, es zu vermieten, will ich meine Anfangskosten minimieren. Elektrische Wasser- und Raumheizungen sind in diesem Fall oft die wirtschaftlichste Lösung.“
Seit den frühen 1970er-Jahren werden 68 Prozent aller neu gebauten Apartments elektrisch beheizt. Damals ging es noch nicht um Klimaschutz, sondern um Kosteneffizienz. Heute leben Mieter mit 60 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit in einem komplett elektrisch beheizten Haus als Bewohner von Einfamilienhäusern. Und das Potenzial für weitere Verbesserungen ist groß: Wärmepumpen, die Wärme aus der Umgebungsluft nutzen, statt sie wie Gasheizungen zu erzeugen, könnten die Klimabilanz von Wohnungen noch weiter verbessern.