Kontrollierte Brände als Lösung?
Feuerwehrchef Jason Schneider aus Cozad, Nebraska, stand vor einer scheinbar aussichtslosen Situation: Der Cottonwood Fire fraß sich durch die steilen Hänge der Loess Canyons, eine Region mit engen Tälern, wenigen Straßen und dichtem Bewuchs durch invasive Rotzedern. Diese Bäume werfen bei Bränden Funken und Asche, die neue Feuer entfachen können – manchmal explodieren sie sogar. „Man denkt, man hätte das Feuer gelöscht, doch wenn man sich umdreht, brennt es schon wieder hinter einem“, berichtete Schneider im März über den verlustreichen Brand.
Doch die Lage besserte sich, als Schneiders Team auf die South Loup Burn Association traf. Die Gruppe aus Landbesitzern und Ranchern zeigte ihnen, wie man Gegenfeuer legt – kontrollierte Brände vor der Hauptfeuerfront, um brennbare Materialien zu verbrauchen und das Feuer einzudämmen. „Ohne ihre Hilfe hätte es viel mehr Fläche zerstört“, sagte Schneider.
Freiwillige Feuerwehr als Rückgrat
Etwa 92 Prozent der in Nebraska registrierten Feuerwehren bestehen aus Freiwilligen. Ein Beispiel ist der Einsatz des Drip Torch durch Austin Klemm, der half, den Cottonwood Fire in den Countys Dawson, Lincoln und Frontier einzudämmen. Solche Hilfsmittel sind entscheidend, um die oft unterbesetzten Einheiten zu unterstützen.
Feuer als Prävention: Ein zweischneidiges Schwert
Während andere US-Bundesstaaten ihre Hauptfeuersaison im Sommer und Spätherbst erleben, brennt es in Nebraska bereits im Frühjahr. 2025 verzeichnete der Staat die schlimmste Feuerbilanz seit Beginn der Aufzeichnungen: Bis zum 6. Mai waren bereits rund 397.000 Hektar verbrannt – mit schweren Folgen für die Viehzüchter. Gleichzeitig rückt eine jahrhundertealte Praxis in den Fokus: der Einsatz von Feuer zur Feuerbekämpfung.
Der Cottonwood Fire konnte durch kontrollierte Brände und frühere Präventivmaßnahmen eingedämmt werden. Doch nur wenige Kilometer entfernt entfachten starke Winde die Reste eines solchen Präventivbrandes im Nebraska National Forest neu – der Road 203 Fire zerstörte daraufhin fast 14.500 Hektar. Jahrzehntelange Feuervermeidung und der Klimawandel haben die Landschaft anfälliger für Brände gemacht.
Präventivbrände auf dem Vormarsch
Länder wie Mississippi, Alabama und Georgia setzen bereits seit Jahren auf kontrollierte Feuer: 2020 brannten dort zwischen 100.000 und 1 Million Hektar präventiv. In Kalifornien, Washington und Oregon waren es zwischen 20.000 und 100.000 Hektar. Auch in den Great Plains, insbesondere in Oklahoma, Kansas und Texas, sind solche Maßnahmen mittlerweile Standard, erklärt Dirac Twidwell, Feuerökologe an der University of Nebraska-Lincoln. In Nebraska selbst, vor allem in den östlichen und zentralen Regionen, steigt die Zahl der Präventivbrände stetig. Der Nebraska Prescribed Fire Council verzeichnete 2025 die höchste jemals dokumentierte Fläche durch kontrollierte Feuer in einem Jahr.
Die Balance zwischen Risiko und Nutzen
Die Methode ist umstritten: Einerseits können kontrollierte Feuer große Katastrophen verhindern, andererseits bergen sie das Risiko, außer Kontrolle zu geraten. Die Debatte um Feuer als Werkzeug der Landpflege gewinnt jedoch bundesweit an Bedeutung. Während einige Bundesstaaten wie Florida und New Jersey bereits nachziehen, bleibt Nebraska ein Brennpunkt dieser Entwicklung. Die Frage bleibt: Ist es riskanter, Brände zu bekämpfen – oder sie zuzulassen?