Fast die Hälfte aller Kinder in den USA atmet nach einem aktuellen Bericht der American Lung Association (ALA) gefährlich hohe Mengen an Luftschadstoffen ein. Die 27. Jahresstudie der Organisation analysierte Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 und bewertete die Belastung durch bodennahes Ozon (Smog) sowie kurz- und langfristige Feinstaubbelastung (Ruß).
Laut dem Bericht leben 33,5 Millionen Kinder unter 18 Jahren – das entspricht 46 Prozent der Altersgruppe – in Gebieten, die bei mindestens einer der drei Messgrößen durchgefallen sind. Besonders alarmierend: 7 Millionen Kinder (10 Prozent) leben in Regionen, die in allen drei Kategorien ungenügende Werte aufweisen.
Gefahren für die kindliche Gesundheit
Will Barrett, Abteilungsleiter für nationale Luftreinhaltungspolitik bei der ALA, warnt vor den langfristigen Folgen: „Kinderlungen entwickeln sich noch. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße atmen sie mehr Luft ein. Da sie sich viel im Freien bewegen und körperlich aktiver sind, nehmen sie besonders viel Schadstoffe auf.“ Die Folgen können Entwicklungsstörungen der Lunge, Asthma, Atemwegserkrankungen und andere chronische Gesundheitsprobleme sein.
Ungleiche Belastung: Communities of Color besonders betroffen
Die Studie zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund oder aus benachteiligten Gemeinschaften überproportional stark von Luftverschmutzung betroffen sind. Obwohl sie nur 42,1 Prozent der US-Bevölkerung ausmachen, leben 54,2 Prozent der Betroffenen in Counties mit mindestens einer ungenügenden Bewertung. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person of Color in einer Region mit allen drei Grenzwertüberschreitungen lebt, 2,42-mal höher als bei weißen Personen.
Diese Ungleichheit verschärft bestehende gesundheitliche Risiken: Chronische Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme erhöhen die Anfälligkeit für Schadstoffbelastungen.
Smog als größte Gesundheitsgefahr
Bodennahes Ozon bleibt der verbreitetste Luftschadstoff in den USA. Zwischen 2022 und 2024 waren 129,1 Millionen Menschen – 38 Prozent der Bevölkerung – gesundheitsgefährdenden Ozonwerten ausgesetzt. Dies ist der höchste Wert seit sechs Jahren und ein Anstieg um 3,9 Millionen im Vergleich zum Vorjahr.
Hauptursachen für die erhöhten Werte sind extreme Hitze, Dürren und Waldbrände. Besonders betroffen sind der Südwesten (von Kalifornien bis Texas) sowie weite Teile des Mittleren Westens. Der Rauch der kanadischen Waldbrände 2023, hohe Temperaturen und Wetterbedingungen, die die Ozonbildung begünstigten, trugen maßgeblich dazu bei – vor allem in den Südstaaten.
Experten fordern strengere Klimaschutzmaßnahmen
Die American Lung Association warnt, dass die aktuellen politischen Entscheidungen die Situation weiter verschärfen könnten. Die Rücknahme von Umweltschutzmaßnahmen unter der Trump-Administration werde die Luftqualität langfristig verschlechtern, so die Autoren der Studie.
„Kinder sind unsere Zukunft. Saubere Luft ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben.“
— Will Barrett, ALA