Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump setzt auf eine Beschleunigung des Baus von Rechenzentren – doch dieser Vorstoß könnte ungewollte Konsequenzen haben. Die Umweltschutzbehörde EPA hat diese Woche einen Regelungsentwurf vorgelegt, der Entwicklern erlaubt, bestimmte Bauarbeiten bereits vor Erteilung der obligatorischen Genehmigung nach dem Clean Air Act zu beginnen.
Bisher war die sogenannte New Source Review unverzichtbar, bevor mit dem Bau von Anlagen begonnen werden durfte, die erhebliche Luftschadstoffe ausstoßen – von Fabriken bis zu Gaskraftwerken. Die neue Regel würde es Unternehmen ermöglichen, bereits Fundamente zu gießen oder vorbereitende Arbeiten durchzuführen, noch bevor die eigentliche Emissionsquelle wie eine Gasturbine installiert ist. Zwar erwähnt der EPA-Entwurf KI-Rechenzentren nicht explizit, doch die Hintergründe sind klar: Die Behörde verweist auf ein Exekutivdekret von Trump, das Bürokratieabbau in der Branche anordnet.
Experten und Juristen sehen in der Reform vor allem eines: eine massive Zeitersparnis.
„Die beabsichtigte Wirkung wird eintreten. Entwickler können schneller vorankommen, ohne zusätzliche Verzögerungen.“So äußerte sich Jeff Holmstead, ehemaliger EPA-Administrator unter George H.W. Bush und heute Anwalt in Washington. Die Regel könnte Genehmigungs- und Bauzeiten um Monate bis Jahre verkürzen und staatliche Behörden unter Druck setzen, Luftgenehmigungen zügiger zu erteilen.
Doch die Beschleunigung hat ihren Preis. Umweltverbände wie der Sierra Club warnen vor gravierenden Folgen: Die Reform begünstige den Bau gasbetriebener Rechenzentren und schwäche die ohnehin schon umstrittenen Umweltstandards. Normalerweise bietet das Genehmigungsverfahren Behörden die Chance, frühzeitig zu prüfen, ob Emissionskontrollen ausreichen oder ob alternative Energiequellen sinnvoller wären.
„Die Behörden verlieren Handlungsspielraum. Was sie nicht mehr prüfen können, entzieht sich später der öffentlichen Kontrolle – und damit auch der Möglichkeit, auf lokale Bedenken oder Luftqualitätsprobleme zu reagieren.“Dies erklärte Sanjay Narayan, Chef-Rechtsberater des Sierra Club.
Die Debatte um Energiebedarf und Umweltschutz wird durch den KI-Boom zusätzlich angeheizt. Rechenzentren benötigen enorme Mengen Strom, und viele Betreiber setzen auf fossile Energieträger. Kritiker befürchten, dass die EPA-Reform diese Entwicklung beschleunigt – mit unabsehbaren Folgen für die Luftqualität und die Bürgerbeteiligung. Ein aktuelles Beispiel ist das umstrittene Projekt Matador, bei dem Anwohner bereits gegen den Bau eines neuen Rechenzentrums protestieren.
Die Frage bleibt: Führt regulatorische Eile zu Lasten von Transparenz und Umweltschutz? Die Antwort könnte sich schon bald in der Praxis zeigen.