Großbritannien reduziert Klimafinanzierung drastisch

Großbritannien hat seine Position als größter Geldgeber des UN-Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) verloren. Wie die Regierung im Mai mitteilte, wird sie ihre für den Zeitraum 2024–2027 zugesagte Summe von ursprünglich 1,62 Milliarden Pfund (2,16 Mrd. US-Dollar) auf nur noch 815 Millionen Pfund (1,1 Mrd. US-Dollar) halbieren. Damit folgt das Land den USA, die 2025 bereits vier Milliarden US-Dollar an zugesagten Mitteln zurücknahmen.

Historische Verpflichtung wird zurückgenommen

Die ursprüngliche Zusage von 1,62 Milliarden Pfund galt als „größte Einzelinvestition Großbritanniens zur Bekämpfung des Klimawandels“. Unter der konservativen Regierung von Ex-Ministerpräsident Rishi Sunak wurde sie als historischer Beitrag gefeiert. Mit der Kürzung verliert Großbritannien nun seinen Status als Spitzenreiter beim GCF – und fällt hinter Deutschland, Frankreich und Japan zurück.

Folgen für den UN-Klimafonds

Der Green Climate Fund ist der größte spezialisierte UN-Fonds für Klimafinanzierung und unterstützt über 350 Projekte in Entwicklungsländern mit mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Die Mittel stammen aus freiwilligen Zusagen der Industrieländer, die sich im Rahmen des Pariser Abkommens verpflichtet haben, Klimafinanzierung zu leisten. Doch trotz steigender Zusagen bleibt die Umsetzung hinter den Erwartungen zurück.

Die britische Kürzung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Die aktuelle Finanzierungsrunde des GCF läuft seit 2023, und die Mittel werden schrittweise ausgezahlt. Laut einer Analyse des Natural Resources Defense Council (NRDC) hat Großbritannien damit die stärkste Reduzierung zwischen zwei Finanzierungsrunden vorgenommen – nur übertroffen von den USA.

„Die Entscheidung Großbritanniens wird sich spürbar auf die Umsetzung der Projekte des Fonds auswirken“, sagte Mafalda Duarte, Exekutivdirektorin des GCF, in einer Stellungnahme gegenüber dem Financial Times.

Begründung: Sicherheit statt Klimahilfen

Als Grund für die Kürzung nennt die britische Regierung die Notwendigkeit, „mehr in die Abwehr wachsender Sicherheitsbedrohungen“ zu investieren. Im März 2024 kündigte Finanzminister Jeremy Hunt an, rund sechs Milliarden Pfund des Entwicklungshaushalts in den nächsten drei Jahren für Klimaprojekte in Entwicklungsländern zu verwenden. Laut einer Analyse von Carbon Brief entspricht dies jedoch einer Halbierung der jährlichen Klimafinanzierung Großbritanniens – unter Berücksichtigung von Inflation und Haushaltsumschichtungen.

Experten warnen vor Dominoeffekt

Entwicklungs- und Klimaschutzorganisationen zeigen sich besorgt, dass andere Industrieländer dem Beispiel folgen könnten. „Wenn große Geberländer ihre Zusagen zurücknehmen, untergräbt das das Vertrauen in die internationale Klimafinanzierung“, warnte eine Sprecherin von Oxfam.

Der GCF steht vor der Herausforderung, seine Finanzierungslücken zu schließen. Bisher haben 26 Länder ihre Zusagen für die aktuelle Finanzierungsrunde gemacht – doch die Summen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Die britische Kürzung verschärft diese Situation zusätzlich.

Hintergrund: Der Green Climate Fund

  • Gründung: 2010 auf der UN-Klimakonferenz in Cancún
  • Zweck: Finanzierung von Klimaprojekten in Entwicklungsländern, insbesondere Anpassung an den Klimawandel und Minderung von Emissionen
  • Finanzierungsvolumen: Über 20 Mrd. US-Dollar in 354 Projekten
  • Hauptgeber: USA (trotz Rückzug 2025), Deutschland, Japan, Frankreich und Großbritannien (bislang)