Washington, D.C. – Die Klimapolitik der USA steht vor einem Paradox: Während der Inflation Reduction Act (IRA) aus dem Jahr 2022 als historischer Meilenstein für den Klimaschutz galt, wurden Teile davon kürzlich durch den One Big Beautiful Bill Act (OBBBA) wieder zurückgenommen. Eine neue Studie in Nature Reviews Clean Technology analysiert nun, wie sich diese widersprüchlichen Gesetze auf den US-Energiemix und die CO₂-Emissionen auswirken könnten.

Teile des IRA wurden rückwirkend gestrichen

Der IRA, oft als erstes umfassendes Klimagesetz der USA bezeichnet, sah vor, dass Steuervergünstigungen für Solar- und Windenergie sowie für Elektrofahrzeuge bis in die 2030er Jahre gelten sollten. Doch mit dem OBBBA, der im vergangenen Jahr verabschiedet wurde, wurden diese Anreize teilweise rückgängig gemacht. Betroffen sind insbesondere:

  • Steuergutschriften für Solaranlagen und Windkraft
  • Förderung für den Kauf von Elektroautos
  • Subventionen für den Bau von Großspeichern und Geothermie-Projekten

Erhalten blieben hingegen Steuererleichterungen für den Ausbau der Atomkraft und die Batterieproduktion für E-Autos.

Unklare Langzeitfolgen für die Energiewende

Die Auswirkungen des OBBBA sind noch nicht vollständig absehbar, da das Gesetz erst vor weniger als einem Jahr in Kraft trat. Dennoch gibt es erste Hinweise darauf, wie sich die Kombination aus IRA und OBBBA auf die US-Energielandschaft auswirken könnte. Eine aktuelle Studie liefert dazu neue Erkenntnisse.

Studie zeigt gemischte Prognosen

Die im Nature Reviews Clean Technology veröffentlichte Analyse untersucht, wie sich die beiden Gesetze auf den Energiemix und die CO₂-Emissionen der USA auswirken. Die Autoren, John Bistline (Watershed) und Ryna Cui (University of Maryland), kommen zu folgenden Schlüssen:

  • Kurzfristige Verzögerungen: Die Streichung der Steuervergünstigungen für Solar- und Windkraft könnte den Ausbau dieser Technologien verlangsamen.
  • Langfristige Stabilität: Trotz der Rücknahme einiger Förderungen bleiben andere wichtige Subventionen erhalten, etwa für Atomkraft und Batterieproduktion.
  • Emissionsrückgang weiterhin möglich: Die Studie deutet darauf hin, dass die CO₂-Emissionen in den USA trotz der Änderungen weiter sinken könnten – allerdings langsamer als ursprünglich prognostiziert.

Experten analysieren die Folgen

In einem Podcast-Interview mit Shift Key erläutern Bistline und Cui, welche Faktoren die Modelle zur Wirkung des IRA beeinflusst haben und warum die Emissionen trotz der Rückschritte noch sinken könnten. Besonders interessant ist die Frage, wie sich die beiden Gesetze gegenseitig ausgleichen oder verstärken.

„Die Kombination aus IRA und OBBBA zeigt, wie komplex die Klimapolitik in den USA ist. Während einige Förderungen gestrichen wurden, bleiben andere wichtige Anreize bestehen. Die Studie hilft uns zu verstehen, wie sich diese Änderungen auf die Energiewende auswirken.“

– John Bistline, Watershed

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Die Studie unterstreicht, dass die US-Klimapolitik weiterhin von politischen Entscheidungen geprägt sein wird. Während der IRA langfristige Weichen stellte, zeigt der OBBBA, wie schnell politische Prioritäten wechseln können. Für Investoren und Energieunternehmen bedeutet dies Unsicherheit – gleichzeitig bieten sich aber auch Chancen, da bestimmte Technologien weiterhin gefördert werden.

Die Autoren der Studie betonen, dass weitere Forschung notwendig ist, um die langfristigen Auswirkungen der Gesetze zu bewerten. Besonders spannend wird sein, wie sich der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der E-Mobilität in den kommenden Jahren entwickelt.