Whitney Wolfe Herd revolutionierte 2014 mit der Gründung von Bumble die Art und Weise, wie Millionen Menschen weltweit Liebe fanden. Doch heute sagt sie selbst: Der Reiz des Online-Datings ist verflogen. Um zu überleben, braucht die App einen grundlegenden Wandel – und setzt dabei auf künstliche Intelligenz.

Warum Bumble jetzt handeln muss

Gen Z ist vom endlosen Swipen und der Oberflächlichkeit digitaler Dating-Plattformen erschöpft. Gleichzeitig sehnen sich viele nach echten Verbindungen. Wolfe Herd sieht in KI die Chance, diese Lücke zu schließen. In einem Gespräch mit Axios in Los Angeles betonte sie kürzlich: „Es ist Zeit für ein neues Interaktionsmodell.“

„Der revolutionäre Charakter von Bumble ist verblasst. Die Nutzer fühlen sich erschöpft, ausgelaugt. Viele glauben, dass das Swipen ihre Liebesleben zerstört hat.“
Whitney Wolfe Herd, Gründerin und CEO von Bumble

Die wichtigsten Änderungen im Überblick

Bumble führt eine KI namens „Bee“ ein, die Nutzer bei der Profiloptimierung unterstützt – ohne jedoch KI-generierte Fotos oder Nachrichten zu fördern. „Unser Ziel ist es, KI zu nutzen, um Liebe und Verbindung menschlicher zu gestalten“, erklärt Wolfe Herd. „KI kann helfen, Nutzer zu unterstützen, kleine Anpassungen vorzunehmen, die sie selbst nicht als relevant erkannt hätten – und so bessere Ergebnisse zu erzielen.“

Das Ende des Swipe-Mechanismus

Eine der größten Veränderungen: Bumble verabschiedet sich vom klassischen Swipe-Prinzip, das die App einst berühmt machte. Gleichzeitig wird das Prinzip der „Frau schreibt zuerst“ in heterosexuellen Matches aufgegeben. Stattdessen soll der Fokus darauf liegen, „die Essenz dessen einzufangen, was Bumble ausmacht: ein selbstbewusstes, sicheres und dynamisches Erlebnis, das Nutzer offline auf großartige Dates bringt“.

Neue Funktionen für echte Verbindungen

Zusätzlich plant Bumble, Gruppendates zu fördern und die Funktion „Bumble BFF“ zu stärken, die Nutzern hilft, nicht-romantische Kontakte zu knüpfen. „Wir wollen eine hochwertigere Nutzerbasis schaffen – weniger Spam, mehr Intentionalität“, so Wolfe Herd. Der Erfolg von Bumble hängt davon ab, ob es gelingt, Online-Interaktionen in reale Begegnungen zu verwandeln.

Bumble folgt einem globalen Trend

Bumble ist nicht allein mit diesem Vorhaben. Auch andere große Apps wie X, Reddit und Airbnb versuchen, langfristig die Nutzerbindung zu erhöhen, indem sie gegen Spam und oberflächliche Interaktionen vorgehen. Besonders in gesättigten Märkten wie den USA wünschen sich Nutzer authentischere Online-Erlebnisse.

„Es scheint, als gäbe es in Amerika mehr kulturelle Erschöpfung und Müdigkeit als in anderen Teilen der Welt. Das könnte an der antisozialen Dynamik sozialer Medien liegen.“
Whitney Wolfe Herd

Ob diese Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Bumble setzt alles daran, sich neu zu erfinden – bevor es zu spät ist.

Quelle: Axios