Der Investor und Tech-Pionier Bill Gross hat sich in der Vergangenheit oft als visionärer Spieler auf technologischen Märkten erwiesen. Doch sein aktuelles Projekt ProRata setzt nicht nur auf Silicon Valley, sondern auf grundlegende wirtschaftliche und rechtliche Mechanismen. Gross will ein System schaffen, in dem Verlage und Content-Ersteller nachweisen können, wie ihre Werke in KI-generierten Inhalten verwendet werden – und dafür fair vergütet werden.
Dass KI-Unternehmen dies freiwillig tun, glaubt Gross nicht. Stattdessen setzt er auf externen Druck: durch Klagen, Marktmechanismen und wirtschaftliche Notwendigkeit. Bereits jetzt hat er mit Gist ein Spin-off gegründet, das Partnern zusätzliche Einnahmen durch die Indexierung ihrer Inhalte in ProRata ermöglicht. Sein Ziel: Die größten KI-Firmen zur Kooperation zwingen – oder sie im Wettbewerb überholen.
Wie ProRata funktionieren soll
Die Idee zu ProRata entstand, als die New York Times OpenAI verklagte. Gross erkannte darin nicht nur ein rechtliches, sondern ein strukturelles Problem: KI-Systeme nutzen massenhaft urheberrechtlich geschützte Inhalte, ohne die Urheber zu entschädigen. Sein Ansatz ähnelt dem von Streaming-Diensten wie Spotify oder YouTube – nur angepasst an die KI-Ära.
Gross entwickelte eine Methode, um zu tracken, welche Quellen in KI-Antworten einfließen. Basierend darauf könnte ein 50-prozentiger Umsatzanteil an die ursprünglichen Urheber fließen – ähnlich wie bei Musikstreaming. Nach monatelanger Arbeit patentierte er das Verfahren und gewann in den letzten zwei Jahren über 1.500 Verlage als Partner.
Warum die KI-Branche noch zögert
Aktuell zahlen noch keine KI-Unternehmen über ProRata. Doch Gross ist überzeugt, dass sich das ändern wird – und zwar aus drei Gründen:
- Rechtliche Niederlage: Klagen wie die der New York Times könnten KI-Firmen zur Zahlung zwingen.
- Wirtschaftliche Logik: Ohne faire Vergütung leidet die Qualität der KI-Antworten, da veraltete oder unvollständige Datenquellen genutzt werden.
- Marktdruck: Wenn ein großer Player wie Microsoft als erster kooperiert, werden andere folgen müssen.
Gross vergleicht die Situation mit einem Dominoeffekt: „Es braucht nur einen, der den ersten Schritt macht.“
Die Rolle der Rechtsprechung
Die aktuellen Gerichtsverfahren gegen KI-Unternehmen sind laut Gross ein entscheidender Hebel. Bisher gibt es zwar noch keine endgültigen Urteile, doch die Klagen zeigen: Die Branche steht unter Zugzwang. Sollten KI-Firmen verurteilt werden, müssten sie nicht nur Schadensersatz zahlen, sondern auch ein System etablieren, das Urheber fair beteiligt.
Gross betont, dass selbst ohne juristische Verpflichtung wirtschaftliche Anreize bestehen. KI-Modelle, die auf hochwertigen, lizenzierten Inhalten trainiert werden, liefern präzisere Ergebnisse. Wer hier spart, riskiert Qualitätsverlust – und damit Marktanteile.
Die Zukunft: Kooperation oder Kollaps?
Ob ProRata zum Durchbruch kommt, hängt davon ab, ob die KI-Branche bereit ist, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Gross bleibt optimistisch: „Die Technologie ist da. Jetzt geht es um die Frage, wer sie kontrolliert – die Urheber oder die Plattformen.“