Rom – Papst Leo XIV. hat am Donnerstag vor den Gefahren künstlicher Intelligenz in der Kriegsführung gewarnt und eine «Spirale der Vernichtung» beschworen. In einer Rede an der Universität La Sapienza in Rom forderte er mehr Verantwortung im Umgang mit Hochtechnologie und betonte die Notwendigkeit, militärische Investitionen zugunsten von Bildung und Gesundheitsversorgung zu reduzieren.

Der Besuch des Papstes an der größten Universität Europas markierte ein historisches Ereignis: Es war das erste Mal seit 2008, dass ein Papst die Institution besuchte. Damals hatte Papst Benedikt XVI. einen geplanten Auftritt abgesagt, nachdem Proteste von Dozierenden und Studierenden angekündigt worden waren. Leo XIV. wurde dagegen mit großer Begeisterung empfangen – darunter auch von jungen Palästinensern, die über einen humanitären Korridor aus Gaza nach Italien gekommen sind, um in Rom zu studieren.

Seit Beginn des Krieges in Gaza 2023 hat die italienische Regierung gemeinsam mit katholischen Organisationen hunderte Palästinenser:innen nach Italien gebracht, um ihnen ein Studium und medizinische Versorgung zu ermöglichen. Einige von ihnen trafen den Papst persönlich: Bei einem kurzen Besuch in der Universitätskapelle und nach seiner Rede im Hörsaal sprach Leo XIV. mit den Studierenden aus Gaza.

Kritik an militärischer Aufrüstung und KI-Einsatz

In seiner Ansprache verurteilte der Papst die dramatische Steigerung der Militärausgaben in Europa, die zu Lasten von Bildung und Gesundheitswesen gehe. «Diese Investitionen bereichern Eliten, die sich nicht um das Gemeinwohl kümmern», sagte er. Besonders kritisch äußerte er sich zum Einsatz von KI in militärischen und zivilen Kontexten: «Wir müssen sicherstellen, dass KI die menschliche Verantwortung nicht aushebelt und Konflikte weiter verschärft.»

Als Beispiele nannte er die Kriege in der Ukraine, Gaza, den palästinensischen Gebieten, dem Libanon und im Iran. «Diese Konflikte zeigen, wie unmenschlich die Beziehung zwischen Krieg und neuer Technologie geworden ist – eine Spirale der Vernichtung», warnte Leo XIV.

Stattdessen forderte er eine Wende hin zu Bildung und Forschung, die das Leben der Menschen in den Vordergrund stellt: «Wir müssen den Völkern, die nach Frieden und Gerechtigkeit schreien, eine Stimme geben!»

KI als zentrale Herausforderung der Menschheit

Der Papst zählt die künstliche Intelligenz zu den drängendsten Themen der Gegenwart – insbesondere ihre Anwendung in der Kriegsführung und im Alltag. Diese Themen sollen in seiner ersten Enzyklika vertieft werden, die in den kommenden Wochen veröffentlicht wird.

Studentin aus Gaza: «Rom ist wie ein Stück Himmel»

Nada Rahim Jouda (19), eine der palästinensischen Studierenden, die Leo XIV. trafen, ist erst seit zwei Tagen in Italien. Sie studiert Betriebswirtschaft in Rom und beschrieb die Stadt als «wie ein Stück Himmel für mich». «Alles hier ist grün, nicht grau und voller Probleme wie in Gaza, wo überall traurige Menschen auf den Straßen stehen», sagte sie.

Doch trotz ihrer neuen Perspektiven bleibt Jouda besorgt um ihre Familie in Gaza: Ihre Mutter leidet an Leukämie und konnte während des Krieges keine medizinische Versorgung erhalten. «Sie alle verlassen sich auf mich. Ich bin ihre einzige Hoffnung», erklärte sie.