Der Filmemacher Eugene Jarecki und der Tech-Unternehmer Jack Dorsey haben sich am Mittwoch auf einer Bühne getroffen, um über Jareckis Dokumentation "The Six Billion Dollar Man" zu sprechen – ein Film über Julian Assange. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie die Bitcoin-Community dazu beitragen kann, den Film einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Debatte reichte von Zensur und Überwachung bis hin zu Satoshi Nakamoto und den ursprünglichen Idealen des Internets.
Dorsey nahm virtuell an der Veranstaltung teil. Der Veranstaltungsort selbst war symbolträchtig: Jarecki erklärte dem Publikum, dass das Casino in unmittelbarer Nähe mit der privaten Sicherheitsfirma verbunden war, die Assange während seines Aufenthalts in der ecuadorianischen Botschaft in London ausspionierte. Diese Enthüllung spielt eine zentrale Rolle in der Überwachungsnarrative des Dokumentarfilms.
Bitcoin als offenes Netzwerk ohne Gatekeeper
Jarecki erklärte, dass er sich zunächst an Dorsey gewandt habe, um finanzielle Unterstützung für seinen Film zu erhalten. Trotz der Premiere in Cannes und positiver Resonanz auf Festivals fand der Film keinen Platz bei großen Streamingdiensten. Dorsey lenkte das Gespräch in eine andere Richtung: Statt eines Schecks sah er in der Bitcoin-Community mehr als nur eine Finanzierungsquelle – sie repräsentiere eine Bewegung, die auf denselben Prinzipien basiert, für die Assange kämpfte.
„Bitcoin ist ein offenes Protokoll für Geldtransaktionen“, sagte Dorsey. „Es umgeht Gatekeeper wie Visa, Mastercard oder Banken.“ Er beschrieb die Community als eine, die Assange als Helden verehrt – als jemanden, der für die Idee eintrat, dass Informationen frei und offen bleiben sollten. Diese Werte führte er auf die Gründerkultur des Internets zurück.
Dorsey verwies auf das Jahr 2011 als Beweis: Als Finanzinstitute WikiLeaks unter politischem Druck der US-Regierung von Spendenkanälen ausschlossen, sprang Bitcoin als einzige Zahlungsmethode ein, die nicht blockiert werden konnte. Die Annahme von Bitcoin durch WikiLeaks bezeichnete er als einen der bedeutendsten Momente in der frühen Geschichte des Protokolls – nicht weil es geplant war, sondern weil es eine sofortige, reale Anwendung unter staatlichem Druck aufzeigte.
Assange, Nakamoto und das Prinzip der Dezentralisierung
Dorsey zog eine Parallele zwischen Assange und Satoshi Nakamoto, dem pseudonymen Schöpfer von Bitcoin. Das Entscheidende an Bitcoin, so Dorsey, sei, dass sein Gründer die Kontrolle abgegeben habe. Dieser Rückzug sei ein selbstloser Akt gewesen, der das Netzwerk zu einem dezentralen System machte – und damit resistent gegen den Druck, den Regierungen und Institutionen auf zentrale Akteure ausüben können. Assange und Edward Snowden ordnete er in dieselbe Kategorie ein: Menschen, die Technologien vertrauten, ihr Leben für höhere Prinzipien riskierten und dafür einen hohen Preis zahlten.
Die Risiken der Filmproduktion
Jarecki berichtete, dass die Produktion des Films mit eigenen Gefahren verbunden war. Während der Dreharbeiten in Russland, so sagte er, hätten er und sein Team das Gefühl gehabt, beobachtet und überwacht zu werden. Dieser Druck habe die Entstehung des Films von innen heraus geprägt. Besonders beeindruckend fand er die tiefe Verbindung zwischen Assange und Snowden – zwei Figuren, die die Position des anderen mit großer Präzision verstanden und deren gegenseitiges Verständnis ein zentrales Element des Dokumentarfilms sei.