Klimawandel verändert Flusslandschaften: Mehr verzweigte Flüsse erwartet

Verzweigte Flüsse, die sich in mehrere Arme aufteilen, sind für Ökosysteme und die Wasserversorgung von zentraler Bedeutung. Doch ihr Verhalten ist schwer vorhersehbar. Eine neue Studie zeigt nun, wie steigende Strömungsschwankungen durch den Klimawandel diese Flussformen verändern könnten.

Weltweite Analyse von 97 Flussabschnitten

Forscher um Zhao et al. [2026] untersuchten 97 verzweigte Flussabschnitte in verschiedenen Klimazonen und mit unterschiedlichen morphologischen Eigenschaften. Dabei stellte sich heraus, dass die Intermittenz der Strömung – also die Häufigkeit von Trocken- und Flutphasen – eine entscheidende Rolle spielt.

Höhere Schwankungen in der Wasserführung führen dazu, dass sich die Strömung gleichmäßiger auf die einzelnen Flussarme verteilt. Dies beeinflusst nicht nur die Hydrologie, sondern auch Ökosysteme und die Grundwasserneubildung. Mit fortschreitendem Klimawandel wird erwartet, dass solche Flüsse noch stärker verzweigen – mit Folgen für Mensch und Natur.

Beispiele aus der Praxis

Die Studie zeigt zwei konkrete Beispiele:

  • Irtysch-Fluss (kasachisch-russische Grenze): Ein „wandernder“ Fluss, der sich durch wechselnde Strömungen ständig neu formt.
  • Yukon-Fluss (Alaska, USA): Ein typischer verzweigter Fluss, dessen Arme sich je nach Wasserführung verändern.

Beide Flüsse wurden mithilfe von Landsat-Satellitenbildern analysiert (siehe Abbildung 1b und 1c im Originalartikel).

Folgen für Mensch und Umwelt

Verzweigte Flüsse sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch für die Wassersicherheit entscheidend. Durch ihre komplexe Struktur filtern sie Schadstoffe, speichern Grundwasser und bieten Lebensraum für zahlreiche Arten. Doch ihre Empfindlichkeit gegenüber hydroklimatischen Veränderungen macht sie zu einem Indikator für den Klimawandel.

„Die Studie zeigt, dass steigende Strömungsschwankungen die Verzweigung von Flüssen verstärken. Dies hat direkte Auswirkungen auf Ökosysteme und die Wasserversorgung – ein Thema, das in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird.“
Alberto Montanari, Chefredakteur, AGU Advances

Zukünftige Herausforderungen

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Anpassungsstrategien für Flussmanagement zu entwickeln. Besonders betroffen sind Regionen mit bereits heute instabilen Flussverläufen. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für Hydrologen, Klimaforscher und Entscheidungsträger.

Die vollständige Studie ist im AGU Advances Journal (Band 7, e2025AV002166) veröffentlicht und kann über den DOI-Link abgerufen werden: 10.1029/2025AV002166.