Die von Präsident Trump vorangetriebene Verschärfung der Einwanderungspolitik hat laut einer aktuellen Studie keine positiven Effekte auf die Jobchancen amerikanischer Arbeiter gebracht. Im Gegenteil: Sie steht in Zusammenhang mit einem Beschäftigungsrückgang bei einigen in den USA geborenen Männern.

Die Studie, veröffentlicht vom National Bureau of Economic Research, analysiert die Auswirkungen verstärkter ICE-Einsätze auf den nationalen Arbeitsmarkt. Besonders betroffen sind männliche Arbeitnehmer mit maximal einem Highschool-Abschluss, die in Branchen wie dem Baugewerbe tätig sind – Sektoren, die stark von Migrationsdurchsetzungen betroffen sind.

Keine Lohnsteigerungen, sondern sinkende Nachfrage

Die Forscherinnen Chloe East (Universität Colorado Boulder) und Elizabeth Cox kommen zu dem Schluss, dass die verstärkten Abschiebungen keine Steigerung der Löhne für einheimische Arbeiter bewirken. Stattdessen führt die Politik zu einer Reduzierung der Gesamtnachfrage nach Arbeitskräften.

Die Studie ist die erste ihrer Art, die die bundesweiten Auswirkungen der aktuellen ICE-Offensive unter der Trump-Administration untersucht. Bisherige Annahmen, dass Abschiebungen Arbeitsplätze für US-Bürger freimachen könnten, werden damit widerlegt.

Komplementäre statt konkurrierende Arbeitsplätze

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass einheimische und undokumentierte Arbeiter keine direkten Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt sind. Vielmehr erfüllen sie oft sich ergänzende Tätigkeiten.

East erklärt dies am Beispiel des Baugewerbes: Während viele einfache Baujobs von Migranten oder undokumentierten Arbeitern übernommen werden, sind spezialisierte Positionen wie Elektriker oder Dachdecker häufig mit US-Bürgern besetzt. Wenn Bauunternehmen Schwierigkeiten haben, Arbeitskräfte zu finden, bauen sie weniger Häuser und beschäftigen insgesamt weniger Personal – auch in Bereichen, die typischerweise von US-Bürgern ausgeübt werden.

„Wenn ein Bauunternehmen Probleme hat, Leute für diese Jobs zu finden, wird es weniger Häuser und weniger neue Gebäude insgesamt bauen – und damit auch weniger Personal einstellen, einschließlich Jobs, die normalerweise von US-Bürgern übernommen werden, wie Elektriker oder Dachdecker.“

— Chloe East, Ökonomin an der Universität Colorado Boulder

Chilling Effect: Abschreckung führt zu weiteren Beschäftigungsverlusten

Die Studie zeigt zudem, dass die verstärkten ICE-Einsätze einen „chilling effect“ in immigrant Communities auslösen. Dieser Effekt ist laut den Forschern größer als bei früheren Massenabschiebungen.

East erklärt: „Aufgrund der willkürlichen und undifferenzierten Vorgehensweise der ICE sind viele Menschen verängstigt, ihre Häuser zu verlassen – stärker als je zuvor.“ Dies führt zu einer weiteren Verringerung der Beschäftigung, auch unter undokumentierten Arbeitnehmern. In Regionen mit starken ICE-Aktivitäten sank die Beschäftigung in betroffenen Branchen um vier Prozent.

Die Folgen reichen über den Arbeitsmarkt hinaus: Berichten zufolge meiden Immigranten auch medizinische Versorgung und tragen zu einem Rückgang des Handelsverkehrs in stark betroffenen Gebieten bei.

Trotz guter Arbeitsmarktstatistik: Langfristige Risiken

Während die aktuellen Arbeitsmarktstatistiken positiv erscheinen – etwa ein Anstieg der Neueinstellungen im März –, warnen Experten vor den langfristigen Folgen der aktuellen Politik. Eine Analyse des Wall Street Journal zeigte bereits, dass die verstärkten Abschiebungen zu Arbeitskräftemangel in Schlüsselbranchen führen könnten.

Die Studie unterstreicht damit, dass die aktuelle Einwanderungspolitik nicht nur ethische und humanitäre Fragen aufwirft, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen hat, die weit über die unmittelbaren Abschiebungen hinausgehen.

Quelle: Axios