Ein texanisches Berufungsgericht hat in einer kurzfristigen Entscheidung am Mittwochabend die sofortige Übergabe der Kontrolle über Infowars an einen vom Gericht bestellten Verwalter abgelehnt. Der Verwalter hatte zuvor eine Vereinbarung mit der Satire-Plattform The Onion getroffen, um das physische und geistige Eigentum von Infowars zu übernehmen. Diese Notfallentscheidung gefährdet nun den geplanten Wechsel.
Die vorläufige Aussetzung wurde erstmals von Ben Mullin, Medienreporter der New York Times, gemeldet. Allerdings rettet das Urteil Infowars nicht vor der Schließung, da die monatlichen Mietkosten in Höhe von 81.000 US-Dollar nicht mehr gezahlt werden können. Alex Jones, Gründer von Infowars, kündigte in einem Video auf X an, dass der Betrieb voraussichtlich am 30. April eingestellt werde.
Global Tetrahedron, die Muttergesellschaft von The Onion, hatte Anfang April eine Einigung mit dem vom Gericht bestellten Verwalter Gregory S. Milligan erzielt. Demnach sollte eine neu gegründete LLC von Global Tetrahedron die Studioflächen sowie die geistigen Eigentumsrechte von Infowars pachten. Diese Vereinbarung musste jedoch noch von einem Richter genehmigt werden.
In einem Antrag der Anwälte von Milligan hieß es, dass die Familien der Sandy-Hook-Opfer, denen Jones und Infowars über eine Milliarde US-Dollar an Schadensersatz zahlen müssen, die geplante Übernahme unterstützen. Bisher wurde jedoch kein Cent der geschuldeten Summe beglichen.
Jones erklärte am Donnerstag auf X, dass der Verwalter weder die Miete noch andere anfallende Kosten mehr übernehme. Jones hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass er im Falle einer Schließung von Infowars sofort einen neuen Sendebetrieb starten würde. Zudem wirbt er auf seiner neuen Website Real Alex Jones um Spenden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Am Mittwochabend feierte Jones das Urteil auf X und schrieb:
„Wir danken Gott und den Unterstützern von Infowars dafür, dass sie sich gegen diese elenden Feiglinge gestellt haben.“Gleichzeitig verwies er auf eine neue Website, betonte jedoch, dass es sich dabei „nicht um Infowars“ handele. „Ich bin der Infokrieg“, erklärte er. „Ihr seid der Infokrieg.“
Wie gewohnt behauptete Jones anschließend fälschlicherweise, dass FBI und CIA hinter den ursprünglichen Zivilklagen gegen ihn und sein Unternehmen stünden.
Dies ist nur die jüngste Entwicklung in der anhaltenden rechtlichen Auseinandersetzung von Jones und Infowars. Das Unternehmen verlor in den vergangenen Jahren eine Reihe von Verleumdungsklagen in Texas und Connecticut, die von den Familien der Sandy-Hook-Opfer eingereicht worden waren. Jones hatte jahrelang die Anschläge von Sandy Hook als inszeniert bezeichnet, räumte seine Falschbehauptungen jedoch nur teilweise ein.
Sowohl Jones als auch Infowars meldeten 2022 Insolvenz an. Seitdem wurden die geschuldeten Zahlungen an die Sandy-Hook-Familien nicht beglichen.