Kann man Sam Altman vertrauen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des hochkarätigen Rechtsstreits zwischen dem OpenAI-CEO und Elon Musk in Kalifornien. Musk nutzte die Zeugenvernehmung, um Altmans Arbeitsweise und Führungsstil zu hinterfragen – insbesondere seine vorübergehende Entlassung bei OpenAI vor drei Jahren durch ein misstrauisches Direktorium.
Steven Molo, Musks Hauptanwalt, zitierte dabei Aussagen ehemaliger OpenAI-Manager wie der ehemaligen Technologiechefin Mira Murati. Sie beschrieb Altman als jemanden, der durch widersprüchliche Aussagen und gezielte Verwirrung „Chaos stiftet“. Einem Bericht des New Yorker zufolge soll Altman zudem von einem unerbittlichen Machtstreben getrieben sein.
In verzweifelten Textnachrichten an Murati aus dem Jahr 2023 flehte Altman um seinen Job – eine Situation, die Parallelen zu Musks eigenem Rauswurf bei OpenAI 2018 aufweist. Damals verlor Musk nach einem Machtkampf die Kontrolle über das Unternehmen. Altmans Anwälte werfen Musk nun vor, den aktuellen Prozess als Racheakt zu führen und nicht aus Sorge um OpenAIs ursprüngliche Mission, künstliche Intelligenz zum Wohle der Menschheit zu entwickeln – ohne Profitorientierung.
Musk hingegen argumentiert, OpenAI habe seine Werte für Profitinteressen verraten und müsse daher 150 Milliarden Dollar an seine gemeinnützige Abteilung zurückführen. Doch der Prozess scheint weniger um juristische Fakten als um öffentliche Wahrnehmung zu kreisen.
Die Strategie von Musks Anwälten zielt darauf ab, Altmans Glaubwürdigkeit zu untergraben. Durch gezielte Fragen wie „Sind Sie vollständig vertrauenswürdig?“ – beantwortet mit „Ich glaube schon.“ – versuchten sie, widersprüchliche Aussagen zu provozieren. Altman reagierte mit Ausflüchten wie „Ich kann nicht sagen, wie andere denken“ oder „Ich erinnere mich nicht“ – was seine Glaubwürdigkeit weiter schwächte.
Doch der Schaden für Altman ist bereits entstanden: Laut einer NBC News-Umfrage aus dem März halten 57 Prozent der registrierten Wähler die Risiken von KI für größer als ihren Nutzen. Als prominenteste Stimme der Branche wurde Altman zudem innerhalb von drei Tagen zweimal Ziel von Angriffen auf sein Zuhause.
Während die Schlussplädoyers laufen und die Geschworenen nächste Woche mit ihrer Beratung beginnen, könnte das Urteil des Prozesses sogar irrelevant werden. Die reputativen Schäden sind bereits eingetreten.