Christopher Nolan hat mit seinen Filmen schon oft für Kontroversen gesorgt – doch selten war die Empörung so grundlos wie bei seiner angekündigten Verfilmung von Homers Odyssee. Besonders die rechte Szene in den USA, angeführt von Tech-Milliardär Elon Musk, hetzt gegen das Projekt und wirft Nolan vor, die antike Vorlage zu verfälschen.
Die Vorwürfe sind dabei so absurd wie vorhersehbar: Das Epos enthalte zu viele nicht-weiße Charaktere, und es gebe Gerüchte, Elliot Page spiele den Achilles. Die angebliche Enthüllung stammt aus einem Clickbait-Artikel, der eine unbestätigte Vermutung zur Identität einer Figur im Trailer aufstellte. Innerhalb weniger Stunden wurde daraus in den reaktionären Ecken von X (ehemals Twitter) eine vermeintliche Tatsache.
Doch selbst wenn Page tatsächlich eine Rolle übernehmen sollte – was unwahrscheinlich ist –, wäre die Wahl kein Skandal. Der Trailer deutet eher auf eine Darstellung des Achilles als geisterhafte Erscheinung hin, etwa in der Szene, in der eine Stimme fragt: "Wer passt auf deine Frau und deinen Sohn auf?" Diese Zeile erinnert eher an Dialoge mit den Schatten verstorbener Seelen wie Elpenor oder Teiresias als an den kriegerischen Achilles.
Der eigentliche Grund für Musks Wutausbrüche ist jedoch ein anderer: Der Tech-Milliardär, der selbst aus Südafrika stammt, kann es nicht ertragen, dass die schwarze Schauspielerin Lupita Nyong’o die Rolle der Helena von Troja übernimmt. Dabei ist Nyong’o nicht nur eine preisgekrönte Schauspielerin, sondern auch eine international anerkannte Schönheit – doch für Musk scheint ihre Hautfarbe alles zu sein.
Diese Debatte ist kein Einzelfall. Nolan wurde bereits für frühere Filme angegriffen: Interstellar galt manchen als „klimaleugnerisch“, Tenet als verantwortungslos wegen der Kinopremiere während der Pandemie, und Oppenheimer wurde wie Dunkirk als „Whitewashing“ diffamiert, obwohl beide Filme historische Figuren und Ereignisse behandeln. Die Muster sind klar: Statt sich mit der künstlerischen Qualität auseinanderzusetzen, wird jede Abweichung von einer vermeintlichen „reinen“ Interpretation als Angriff auf Werte oder Identität gedeutet.
Dabei ist Nolans Odyssee genau das, was das rechte Lager seit Jahrzehnten fordert: eine moderne Adaption eines antiken Klassikers. Doch sobald die Umsetzung nicht den eigenen, engstirnigen Vorstellungen entspricht, wird sie zum Skandal hochstilisiert. Kunst, so scheint es, darf nur dann gelingen, wenn sie die ideologischen Filter der Betrachter bestätigt – alles andere ist „Zensur“ oder „Propaganda“.