Die US-Stromnetzaufsicht North American Electric Reliability Corporation (NERC) hat einen seltenen Level-3-Warnalarm herausgegeben – die höchste Stufe in ihrer 58-jährigen Geschichte. Dieser Schritt markiert erst das dritte Mal, dass eine solche Warnung ausgesprochen wird. Die Behörde warnt vor erheblichen Risiken für das Stromnetz, die sofortige Gegenmaßnahmen erfordern.
Hintergrund ist ein plötzlicher Ausfall mehrerer Datenzentren in Virginia und Texas, der Befürchtungen vor möglichen Blackouts verstärkt. Die NERC betont in einem Entwurf der Warnung, dass rechenintensive Lasten wie Datenzentren in den kommenden vier Jahren exponentiell ansteigen könnten. „Signifikante Risiken für das Stromnetz müssen durch sofortige Branchenmaßnahmen angegangen werden“, heißt es in der Mitteilung.
Lee Shaver, Energieanalyst bei der Union of Concerned Scientists, bezeichnete die Warnung als „sehr ernst zu nehmen“.
Kalifornien untersucht fragwürdige Offshore-Wind-Deals
Parallel dazu ermittelt der Kalifornische Energierat gegen den Offshore-Windentwickler Golden State Wind. Das Unternehmen hatte kürzlich eine Vereinbarung mit dem US-Innenministerium getroffen, um seine Pacht für ein Offshore-Windprojekt in der Morro Bay gegen eine Abfindung von 120 Millionen Dollar aufzugeben. Die Vereinbarung war Teil der Bemühungen der Trump-Administration, die Offshore-Windbranche zu schwächen.
Das geplante Projekt sollte Kaliforniens erstes Offshore-Windkraftwerk werden und schwimmende Turbinen nutzen, um die steile Kontinentalabfahrt vor der Pazifikküste zu überwinden. Jetzt steht die Vereinbarung unter dem Verdacht, taxpayergeld verschwendet zu haben. David Hochschild, Vorsitzender des Kalifornischen Energierats, kritisierte die Transaktion scharf: „Die Trump-Administration verschwendet Milliarden an Steuergeldern für Hinterzimmer-Deals, die Innovation zurückwerfen. Kalifornier verdienen klare Antworten über diese Zahlungen. Steuergelder sollten in eine nachhaltige Energiezukunft fließen, nicht in das Verschwinden von Projekten.“
Unterdessen hat der Kalifornische Stromnetzbetreiber (CAISO) einen neuen regionalen Strommarkt gestartet. Dieser ermöglicht erstmals den Handel zwischen Kalifornien und dem Nordwesten der USA, darunter der Versorger PacifiCorp, der über zwei Millionen Kunden in sechs Bundesstaaten versorgt. „Der Westen verfügt über eine vielfältige Mischung erneuerbarer Ressourcen“, betont die Behörde.