Kanada war lange einer der wichtigsten Abnehmer für amerikanischen Whiskey. Doch seit dem Handelskonflikt mit den USA hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Die US-Spirituosenexporte nach Kanada sind 2025 um fast 70 % eingebrochen – von rund 250 Millionen Dollar auf nur noch 89 Millionen Dollar pro Jahr, wie Daten des Distilled Spirits Council of the United States (DISCUS) zeigen.
Der Einbruch folgt auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle, die kanadische Provinzen dazu veranlassten, US-Alkohol aus ihren Regalen zu verbannen. Marken wie Jack Daniel’s und Jim Beam reagierten mit Entlassungen und Produktionsstopps. Selbst nach teilweiser Aufhebung der Zölle bleiben viele Provinzen bei ihrem Boykott, wie Fox News berichtet.
Kanada fällt auf Platz sechs der Exportziele
Noch 2024 war Kanada der zweitwichtigste Abnehmer für US-Spirituosen. Doch durch den Handelsstreit rutschte das Land 2025 auf Platz sechs ab. Besonders dramatisch war der Rückgang zwischen März und Dezember 2025: Die Exporte sanken von 203 Millionen auf nur noch 60 Millionen Dollar – ein Verlust von rund 143 Millionen Dollar.
Trump nutzte Zölle wiederholt als wirtschaftliches Druckmittel, um Handelsungleichgewichte zu korrigieren. Doch die Spirituosenindustrie sieht sich durch kanadische Gegenmaßnahmen einem ihrer wichtigsten Exportmärkte beraubt.
„Unsere Branche profitiert von einer Null-Zoll-Politik. Die aktuellen Maßnahmen haben uns schwer getroffen.“
Chris Swonger, Präsident und CEO von DISCUS
Seit dem Beginn der Handelskonflikte hätten die Provinzen ihre Regale von US-Spirituosen geräumt, so Swonger. „Leider haben wir über 70 % unserer Exporte nach Kanada verloren.“
Kentucky besonders betroffen – die Bourbon-Hochburg leidet
Kentucky, das Herz der US-Bourbon-Produktion, spürt die Folgen besonders stark. Der Bundesstaat stellt 95 % des weltweiten Bourbons her, beschäftigt über 23.000 Menschen und generiert jährlich rund 9 Milliarden Dollar, wie die Kentucky Distillers’ Association mitteilt. Die Exportkrise trifft die Branche in einer ohnehin angespannten Phase: Viele Hersteller reduzieren die Produktion, kämpfen mit nachlassender Nachfrage oder hohen Schulden.
Große Konzerne melden bereits schwächere Umsätze. Der japanische Getränkegigant Suntory, zu dessen Portfolio Jim Beam, Maker’s Mark und weitere Marken gehören, verzeichnete 2024 rückläufige Whiskey-Verkäufe. Auch Brown-Forman, der Mutterkonzern von Jack Daniel’s, warnte vor sinkenden Umsätzen und Gewinnen, da die globale Nachfrage nachlässt.
Kleinere Marken am stärksten gefährdet
Besonders hart trifft es kleinere und mittelgroße Hersteller. Die Premium-Marke Uncle Nearest ist insolvent und schuldet Millionen an Gläubiger wie WhistlePig und American Spirits. Auch MGP Ingredients, einer der größten Auftrags-Destillateure der USA und wichtiger Zulieferer für viele Marken, kämpft mit den Folgen.