Die Straße von Hormuz, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Öltransport, ist seit Monaten blockiert. Dennoch notiert der Ölpreis – zumindest bis spät in den Dienstagabend – unter 110 Dollar pro Barrel. Warum bleiben die Märkte trotz der schwersten Versorgungsstörung der Geschichte so stabil? Und welche Lehren lassen sich daraus für die Energiepolitik zukünftiger Präsidenten ziehen?

Experten analysieren die Folgen der Krise

In der neuesten Folge des Podcasts Shift Key diskutiert Moderator Robinson Meyer mit Jason Bordoff, Gründungsdirektor des Center for Global Energy Policy an der Columbia University. Bordoff war zudem Sonderberater von Präsident Obama und leitete die Energie- und Klimapolitik im Nationalen Sicherheitsrat der USA. Gemeinsam beleuchten sie, ob die aktuelle Krise das globale Energiesystem dauerhaft verändern wird, wie ein neuer Konsens in Klima- und Energiepolitik aussehen könnte und ob die Demokraten das Thema Klimapolitik strategisch nutzen sollten.

Die größten Risiken der aktuellen Krise

In einem Auszug des Gesprächs erklärt Bordoff, welche Aspekte der Krise seiner Meinung nach zu wenig Beachtung finden:

Robinson Meyer: Welches Risiko bereitet Ihnen in der aktuellen Krise am meisten Sorgen – eines, das Ihrer Meinung nach zu wenig diskutiert wird?

Jason Bordoff: Ob Zölle, Grönland, Venezuela oder die aktuelle Situation – ich könnte noch weitere Beispiele nennen. Ein zentrales Thema ist die globale Zusammenarbeit und die Rolle der USA als vertrauenswürdiger Partner. Das gilt auch für die Energiesicherheit. Wenn 80 bis 90 Prozent der Lieferketten für saubere Energien – etwa bei kritischen Mineralien – von China dominiert werden, ist die einzige Lösung, mit mehr Ländern zusammenzuarbeiten: Europa, Lateinamerika und Afrika. China positioniert sich zunehmend als zuverlässiger Handelspartner, im Gegensatz zu den USA. Konflikte wie dieser helfen uns nicht, diesem Narrativ entgegenzuwirken.

Die Zukunft der globalen Energieversorgung

Bordoff und Meyer gehen in ihrer Diskussion auch auf die langfristigen Auswirkungen der Krise ein. Ein zentraler Punkt: Die Abhängigkeit vieler Länder von fossilen Brennstoffen könnte zu einer verstärkten Isolation führen – etwa durch den Ausbau eigener Energiequellen. Gleichzeitig warnen sie davor, dass solche Konflikte die globale Zusammenarbeit untergraben und China in seiner Rolle als dominanter Akteur in der Energiepolitik stärken könnten.

Wie die USA ihre Führungsrolle behaupten können

Laut Bordoff ist es entscheidend, dass die USA ihre Position als vertrauenswürdiger Partner in der Energiepolitik zurückgewinnen. Nur durch internationale Kooperationen – etwa bei der Entwicklung sauberer Energietechnologien – kann verhindert werden, dass China seine Vormachtstellung ausbaut. Gleichzeitig betont er, dass die aktuelle Krise auch eine Chance bietet, über neue Strategien für die globale Energiesicherheit nachzudenken.

Podcast-Empfehlung: Shift Key

Der Podcast Shift Key, moderiert von Robinson Meyer, bietet vertiefte Analysen zu aktuellen Themen wie Klima, Energie und globaler Politik. Die Folge mit Jason Bordoff ist auf Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify und Amazon verfügbar. Interessierte können den Podcast auch über den RSS-Feed abonnieren.