Der Online-Gigant Amazon wird ab sofort den Verkauf bestimmter Elektrofahrräder in Kalifornien einschränken, die die zulässigen Geschwindigkeitsgrenzen überschreiten. Betroffen sind vor allem Modelle, die als E-Bikes vermarktet werden, aber tatsächlich die Eigenschaften von Motorrädern oder Mopeds aufweisen.

Warum die Maßnahme kommt

In den letzten Jahren haben sich besonders bei Jugendlichen sogenannte Dirt-Bike-inspirierte E-Motorräder großer Beliebtheit erfreut. Diese Fahrzeuge erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 96 km/h, obwohl sie oft als E-Bikes deklariert werden. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei jedoch um Motorräder oder Mopeds, die in Kalifornien eine Zulassung, Versicherung und eine Fahrerlaubnis erfordern.

Laut kalifornischem Recht dürfen E-Bikes maximal 45 km/h (pedalunterstützt) oder 32 km/h (gasunterstützt) erreichen. Schnellere Modelle müssen als Motorräder registriert werden und unterliegen strengen Altersbeschränkungen. Dennoch wurden viele dieser Hochgeschwindigkeits-E-Bikes über Online-Plattformen wie Amazon verkauft, ohne dass die Käufer auf die rechtlichen Konsequenzen hingewiesen wurden.

„E-Bikes“ als legale Grauzone

Bill Sellin, Sprecher der Orange County Bicycle Coalition, kritisiert die Praxis scharf:

„Was hier als E-Bike verkauft wird, sind in Wahrheit Motorräder, Mopeds oder Geländemotorräder. Sie haben zwar Pedale, sind aber aufgrund ihrer Leistung und Geschwindigkeit eindeutig nicht als E-Bikes einzuordnen. Dennoch werden sie als solche vermarktet – und das ist illegal.“

Die Hersteller nutzen eine Gesetzeslücke aus: Solange ein Fahrzeug als E-Bike beworben wird, unterliegt es nicht den strengen Regeln für Motorräder. Viele dieser Fahrzeuge erreichen jedoch Geschwindigkeiten, die weit über den zulässigen Grenzen liegen.

Dramatischer Anstieg der Unfälle

Die Folgen dieser Praxis sind alarmierend: In den letzten vier Jahren ist die Zahl der Unfälle mit E-Bikes und E-Motorrädern in Südkalifornien um 430 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Jugendliche, die mit diesen Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen unterwegs sind.

Ein besonders tragischer Fall ereignete sich kürzlich in Orange County: Ein 14-jähriger Junge tötete mit einem illegalen E-Motorrad einen 81-jährigen Fußgänger. Die Mutter des Jungen wurde nun wegen fahrlässiger Tötung angeklagt – sie soll mehrfach darauf hingewiesen worden sein, dass ihr Sohn das Fahrzeug nicht legal nutzen durfte.

Reaktion der Behörden

Kalifornische Staatsanwälte und Polizeibehörden fordern seit Langem strengere Kontrollen. Generalstaatsanwalt Rob Bonta betonte kürzlich, dass bestehende Gesetze konsequenter durchgesetzt werden müssen. Dennoch bleibt die Grauzone bei der Einstufung von Hochgeschwindigkeits-E-Bikes bestehen.

Was ändert sich für Käufer?

Mit der Ankündigung von Amazon wird der Verkauf bestimmter Modelle in Kalifornien eingeschränkt. Betroffen sind vor allem Fahrzeuge, die:

  • Geschwindigkeiten von über 45 km/h erreichen
  • keine Zulassung als Motorrad oder Moped haben
  • ohne Altersbeschränkung verkauft werden

Kunden, die bereits solche Fahrzeuge besitzen, müssen prüfen, ob sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Andernfalls drohen Bußgelder oder der Verlust des Versicherungsschutzes.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung?

Die Maßnahme von Amazon könnte dazu beitragen, die Zahl der illegalen Hochgeschwindigkeits-E-Bikes zu reduzieren. Dennoch bleibt abzuwarten, ob andere Online-Händler ähnliche Schritte einleiten. Experten fordern zudem eine klarere Gesetzgebung, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen.

Quelle: CarScoops