Das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) sieht in der aktuellen Werbung für Autos ein Problem: Immer häufiger werden Geschwindigkeit, Leistung und spektakuläre Fahrmanöver in den Fokus gerückt, während Sicherheit in den Hintergrund rückt. Laut einer aktuellen Studie des Instituts tauchen Leistungsmerkmale in 42,7 Prozent aller untersuchten TV- und Digitalwerbungen auf – Sicherheitsbotschaften dagegen nur in 8,1 Prozent.

Die Forscher analysierten fast 3.000 Werbespots und stellten fest, dass die Betonung von Beschleunigung, Traktion und driftenden Fahrzeugen in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Das IIHS warnt davor, dass solche Darstellungen ein gefährliches Fahrverhalten normalisieren könnten. Doch die Studie selbst räumt ein: Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Werbung und tatsächlichem Fahrverhalten lässt sich nicht nachweisen.

Warum Straßenbau das eigentliche Problem ist

Während das IIHS die Werbung kritisiert, übersieht es laut Experten ein weitaus größeres Problem: die Gestaltung der Straßen selbst. Denn seit Jahrzehnten werden in den USA Straßen gebaut, die hohe Geschwindigkeiten geradezu provozieren. Breite, mehrspurige Autobahnen mit langen Sichtachsen und kaum Hindernissen vermitteln den Eindruck, als wären sie für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt – selbst wenn Tempolimits deutlich niedriger sind.

Ein Beispiel: In Vorstädten finden sich oft Straßen, die wie Landebahnen wirken – mit breiten Fahrspuren, großen Randstreifen und minimalen visuellen Einschränkungen. Werden hier 35 Meilen pro Stunde (ca. 56 km/h) vorgeschrieben, fahren Autofahrer dennoch oft 50 Meilen pro Stunde (ca. 80 km/h). Das liegt nicht daran, dass sie zuvor eine Sportwagenwerbung gesehen haben, sondern daran, dass die Straße selbst eine hohe Geschwindigkeit suggeriert.

IIHS unterstützt eigentlich sichere Straßenkonzepte

Ironischerweise setzt sich das IIHS selbst für das „Safe System“-Prinzip ein, das auf eine grundlegende Reform der Verkehrsinfrastruktur abzielt. Dieses Konzept besagt, dass Straßen so gestaltet sein sollten, dass sie gefährliches Verhalten von vornherein verhindern – etwa durch enge Kurven, begrenzte Sichtachsen oder physische Barrieren. Dennoch bleibt die Kritik an der Werbung bestehen, während die Rolle der Straßenplanung oft ausgeklammert wird.

„Wenn wir wissen, dass die Infrastruktur das Fahrverhalten stärker beeinflusst als Werbung, warum konzentrieren wir uns dann nicht auf die eigentlichen Ursachen?“, fragt ein Verkehrsexperte. Tatsächlich sterben in den USA jährlich über 11.000 Menschen bei Unfällen, die auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind – ein Problem, das durch bessere Straßenplanung deutlich reduziert werden könnte.

Fazit: Werbung ist nur ein Teil des Problems

Das IIHS hat mit seiner Studie einen wichtigen Diskussionspunkt aufgeworfen: Werbung kann riskantes Verhalten fördern. Doch die eigentliche Lösung liegt nicht darin, Autowerbung zu zensieren, sondern darin, Straßen sicherer zu gestalten. Denn solange breite, schnurgerade Straßen gebaut werden, wird das Rasen ein natürliches Verhalten bleiben – unabhängig davon, was im Fernsehen oder auf Social Media gezeigt wird.

Quelle: CarScoops