Amerikas Straßen sind kein Ort für Gelassenheit. Trotz sinkender Verkaufszahlen von Hochleistungsfahrzeugen und einer wachsenden Zahl größerer, weniger sportlicher Autos dominiert in der Werbung ein anderes Bild: Geschwindigkeit und Leistung. Das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) warnt vor den gefährlichen Botschaften, die davon ausgehen.

„Amerikas kulturelle Besessenheit mit Geschwindigkeit“ wird durch Werbung gezielt geschürt, so David Harkey, Präsident des IIHS. „Ein Rennfahrer, der bei Regen um eine enge Kurve rast, mag harmlos wirken – besonders mit dem Hinweis, dass es sich um einen Profi auf einer abgesperrten Strecke handelt. Doch die Botschaft ist klar: Das kannst du auch.

Diese Darstellung moderner Antriebe und Fahrassistenten als Mittel für spektakuläres Fahren sendet nach Ansicht des IIHS die falschen Signale. Die Folge: aggressives Fahrverhalten, häufigere Geschwindigkeitsüberschreitungen und letztlich mehr Unfälle. Um das zu verhindern, analysiert das Institut nicht nur Fahrzeugsicherheit, sondern auch gesellschaftliche Trends und menschliche Verhaltensmuster.

Von Hot-Rods bis Hollywood: Geschwindigkeit als Kulturgut

Seit den 1950er-Jahren ist Geschwindigkeit ein fester Bestandteil der US-Automobilkultur – von Rock-’n’-Roll-Hymnen über „Fast & Furious“ bis hin zu modernen Werbespots. Doch anders als Filme oder Musik zielt Werbung gezielt darauf ab, Konsumenten zu überzeugen. Viele Spots vermitteln den Eindruck, Hochleistungsfahrzeuge seien nicht nur kaufbar, sondern auch erlebbar.

Beispiele für diese Vermischung von Realität und Fiktion gibt es zuhauf. Das IIHS verweist auf den legendären Nissan 300ZX „Dream“-Spot aus dem Super Bowl 1990 oder den umstrittenen Chevrolet C6 Corvette-Werbespot, der nach öffentlicher Kritik zurückgezogen wurde.

Werbedruck auf Leistung: SUVs und Trucks als neue Vorreiter

Eine aktuelle Studie des IIHS analysierte über 2.500 Fernseh-, Internet- und Social-Media-Werbespots für Automobile. Das Ergebnis: Leistung ist das dominierende Thema. 43 % der Spots betonten Fahrleistung, 16 % thematisierten explizit Geschwindigkeit oder Rasen, und 28 % hoben Traktion hervor. Zum Vergleich: Nur 8 % der Werbung warb mit Sicherheit.

Besonders auffällig ist der Trend bei SUVs und Pickups, die traditionell eher mit Alltagstauglichkeit als mit Sportlichkeit assoziiert wurden. Heute setzen auch sie auf leistungsorientierte Kampagnen – ein Zeichen dafür, dass die Werbeindustrie die „Raserei-Kultur“ weiter anheizt.

„Werbespots vermitteln den Eindruck, dass Geschwindigkeit und Kontrolle käuflich sind. Doch im realen Straßenverkehr gibt es keine abgesperrten Strecken und keine Profis.“
David Harkey, IIHS-Präsident

Das IIHS fordert daher strengere Richtlinien für automobile Werbung. Harkey betont: „Die Botschaften müssen realistischer werden, um gefährliches Fahrverhalten nicht weiter zu fördern.“

Quelle: The Drive