Bitcoin nähert sich der bevorstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed in einer kritischen Phase. Der Versuch, die psychologisch wichtige Marke von 80.000 Dollar nachhaltig zu überschreiten, ist gescheitert. Die institutionelle Nachfrage, die den Kurs im April noch stützte, lässt spürbar nach. Gleichzeitig schwanken die Zuflüsse in Spot-ETFs stark, und die Preisbildung findet unterhalb wichtiger On-Chain-Schwellenwerte statt.
Diese Faktoren machen die aktuelle Marktphase zu einer der entscheidendsten seit Monaten – noch vor und nach der Fed-Entscheidung. Der April zeigte zunächst eine stabile Erholung: Die Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten insgesamt Zuflüsse von 2,43 Milliarden Dollar. Der Preis stieg um 14,46 % auf rund 78.000 Dollar und schien sich dem Ausbruch über 80.000 Dollar zu nähern.
Doch der Trend kehrte sich abrupt um. Am 27. April überstiegen die Nettoabflüsse aus Bitcoin-ETFs erstmals seit Wochen die 263-Millionen-Dollar-Marke. Die zuvor positive Woche mit über 1,2 Milliarden Dollar Zuflüssen war damit beendet. Einen Tag später folgten weitere 89,7 Millionen Dollar an Rücknahmen. Die institutionelle Unterstützung schwindet zum falschen Zeitpunkt.
Breitere ETF-Schwäche statt Grayscale-Effekt
Besonders aufschlussreich ist die Zusammensetzung der Abflüsse vom 28. April. BlackRocks IBIT, das sich als wichtigster institutioneller Bitcoin-Allokationsvehikel etabliert hat, verzeichnete Abflüsse von 112,2 Millionen Dollar. ARK Invests ARKB konnte dies nur teilweise mit 41,2 Millionen Dollar Zuflüssen ausgleichen. Noch deutlicher war der Rückgang am 27. April: Fidelitys FBTC führte mit 150,4 Millionen Dollar an Abflüssen, gefolgt von Grayscales GBTC mit 46,6 Millionen Dollar.
Früher im Zyklus ließ sich die ETF-Schwäche noch mit dem Grayscale-spezifischen Effekt erklären – alte Investoren rotierten aus dem umgewandelten Trust. Doch die jüngsten Daten zeigen, dass die Schwäche nun breiter gestreut ist. Selbst IBIT, das bisher als stabilster ETF galt, gibt nach. Damit dünnt sich die institutionelle Pufferzone aus, die Bitcoin in Richtung 80.000 Dollar stützte – und das genau vor einem der wichtigsten makroökonomischen Ereignisse der Woche.
Kostenbasis als entscheidender Faktor
Für die weitere Kursentwicklung ist nicht die runde Zahl von 80.000 Dollar ausschlaggebend, sondern wo sich Bitcoin im Verhältnis zu zwei zentralen On-Chain-Schwellenwerten befindet. Derzeit notiert Bitcoin bei etwa 78.400 Dollar – knapp über dem True Market Mean von rund 77.990 Dollar, aber unterhalb der Short-Term Holder (STH) Kostenbasis von etwa 78.770 Dollar.
Der True Market Mean repräsentiert den durchschnittlichen Kaufpreis aller aktiv zirkulierenden Coins (ohne verlorene oder ruhende Bestände) und gibt damit die aggregierte Kostenbasis engagierter Marktteilnehmer wieder. Die STH-Kostenbasis hingegen zeigt den durchschnittlichen Preis, zu dem Coins, die weniger als 155 Tage gehalten werden, zuletzt den Besitzer wechselten. Sie gilt als der klarste Indikator dafür, wo die jüngsten Käufer eingestiegen sind.
Solange Bitcoin unterhalb dieser Schwelle handelt, bleiben viele der jüngeren Käufer im Verlust. Ein nachhaltiger Ausbruch über die STH-Kostenbasis könnte daher den Weg für eine neue Aufwärtsbewegung ebnen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die institutionelle Nachfrage zurückkehrt oder ob die 80.000-Dollar-Marke zur Widerstandszone wird.