Der britische Drehbuchautor Paul Laverty, bekannt für seine Zusammenarbeit mit Regisseur Ken Loach und Gewinner zweier Palme d’Or in Cannes, hat als Mitglied der diesjährigen Festivaljury eine klare Botschaft überbracht: Hollywood boykottiert Schauspieler, die sich gegen den Krieg in Gaza stellen – und das ist eine „Schande“.

Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung des Cannes Film Festivals 2024 sagte Laverty:

„Kann ich noch etwas ansprechen? Die Cannes-Festival-Poster sind wunderschön. Doch ist es nicht faszinierend, dass Schauspieler wie Susan Sarandon, Javier Bardem oder Mark Ruffalo boykottiert werden, nur weil sie sich gegen die Ermordung von Frauen und Kindern in Gaza aussprechen?
Eine Schande für die Hollywood-Elite. Meine Hochachtung und volle Solidarität gilt diesen Menschen. Sie sind das Beste in uns – ich bewundere sie.“

Laverty bezog sich dabei auf die öffentliche Diskriminierung von Prominenten, die sich für einen Waffenstillstand im Nahen Osten einsetzen. Besonders Sarandon, die auf dem offiziellen Festivalplakat 2026 abgebildet ist, steht seit Monaten im Fokus der Kontroverse. Im Februar dieses Jahres bestätigte sie, dass ihr US-Agent sie nach ihrer Teilnahme an Protesten für Gaza entlassen habe. In einem Interview in Spanien erklärte sie:

„Ich wurde von meiner Agentur gefeuert – speziell wegen meiner Teilnahme an Demonstrationen und meiner Forderung nach einem Waffenstillstand in Gaza. Es wurde unmöglich, auch nur im Fernsehen aufzutauchen.“

Die Schauspielerin schilderte weitere Konsequenzen:

„Ich konnte keine großen Filmprojekte oder Hollywood-Produktionen mehr bekommen. Schließlich fand ich Agenten in England und Italien, wo ich auch arbeitete – etwa an einem Film in Italien oder einem Theaterstück am Old Vic. Selbst ein italienischer Regisseur wurde aufgefordert, mich nicht einzustellen. Doch er ignorierte die Warnung.“

Laverty, der selbst in Kalkutta geboren wurde und irisch-schottische Wurzeln hat, verwies während der Pressekonferenz auf Shakespeares „König Lear“ und zitierte:

„Es ist die Pest der Zeit, wenn Wahnsinnige die Blinden führen.“

Mit bewegten Worten beschrieb er seine Eindrücke vom Festival:

„Man sieht so viel Gewalt und Völkermord in Gaza und diese schrecklichen Dinge. Und dann kommt man zu einem Festival, das Vielfalt, Fantasie und Zärtlichkeit feiert – während gleichzeitig eine so vulgäre, bösartige und systematische Gewalt herrscht? Wo es Widersprüche, Nuancen, Schönheit und Inspiration geben sollte? Das hat mich zutiefst erschüttert.“

Quelle: The Wrap