Ein animierter Tränenerreger feiert Premiere in Cannes
Der vierte Tag des Filmfestivals von Cannes 2024 bot erneut Standing Ovations und bewegende Filmpremieren. Ein besonderer Höhepunkt war die Vorführung des kanadischen Animationsfilms „Tangles: Eine Geschichte über Alzheimer, meine Mutter und mich“ der Regisseurin Leah Nelson.
Der Film, basierend auf dem gleichnamigen Graphic-Novel-Memoir von Sarah Leavitt, erhielt überwältigende Kritiken. Eine siebenminütige Standing Ovation und Tränen der Produzentin Lauren Miller Rogen (Ehefrau von Seth Rogen) unterstrichen die emotionale Wirkung des Werks.
„Tangles“ erzählt die Geschichte von Sarah, die in den 1990er-Jahren ihr aktives Leben als Künstlerin und Aktivistin in San Francisco aufgibt, um sich um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter zu kümmern. Die Stimmen von Julia Louis-Dreyfus, Seth Rogen, Abbi Jacobson und Samira Wiley verleihen dem Film zusätzliche Tiefe.
Kann „Tangles“ zum neuen „Flow“ werden? Der Vergleich liegt nahe: Der kleine Animationsfilm „Flow“ feierte 2023 in Cannes Premiere und entwickelte sich später zum Überraschungserfolg an den Kinokassen – und gewann sogar den Oscar für den besten animierten Spielfilm.
Weitere Standing Ovations in Cannes
Auch der Film „Club Kid“ von und mit Jordan Firstman erhielt eine sechsminütige Standing Ovation. Besonders in Erinnerung blieb eine herzliche Szene, in der Firstman den Schauspieler Diego Calva küsste.
Asghar Farhadi spricht über den Iran und die USA
Der iranische Regisseur Asghar Farhadi präsentierte in Cannes sein neues Werk „Parallel Tales“, inspiriert von Krzysztof Kieślowskis „Dekalog“. Obwohl der Film gemischte Kritiken erhielt, nutzte Farhadi die Pressekonferenz für eine klare Stellungnahme zu den aktuellen Spannungen zwischen dem Iran und den USA.
Farhadi betonte:
„Jeder Mord ist ein Verbrechen.“
Er verwies auf zwei tragische Ereignisse, die ihn tief erschüttert hätten: den Tod unschuldiger Zivilisten – darunter Kinder – im Krieg sowie die Ermordung von Demonstranten, die für ihre Rechte auf die Straße gegangen seien. Beide Ereignisse seien unvergesslich und schmerzhaft.
Farhadis Worte unterstreichen seine Haltung zu Gewalt und Unrecht, unabhängig von politischen Konflikten.