Ein einzigartiges Zeitdokument über John Lennon
Steven Soderberghs Dokumentarfilm „John Lennon: The Last Interview“ hatte am Freitag auf dem Cannes Film Festival Premiere. Das Werk bietet einen intimen Blick auf Lennons Gemütszustand nur wenige Stunden vor seiner Ermordung im Dezember 1980 vor seinem New Yorker Zuhause. Obwohl der Film auf modernster KI-Technologie basiert, steht die menschliche Stimme Lennons im Mittelpunkt.
Die letzte Unterhaltung: Musik, Liebe und Philosophie
Das Herzstück des Films ist ein zweistündiges und 45-minütiges Radiointerview, das Lennon und Yoko Ono am Tag vor seinem Tod für den Sender KFRC führten. Das Gespräch diente der Promotion ihres Albums „Double Fantasy“, das im November 1980 erschienen war. Obwohl die Interviewer angewiesen waren, sich auf das Album zu konzentrieren, entwickelte sich ein tiefgründiges Gespräch über Musik, Vaterschaft, Frieden und Liebe.
Lennon reflektierte über seine musikalische Laufbahn und zog eine direkte Verbindung von Songs wie „The Word“ („das Wort ist Liebe“) über „All You Need Is Love“ bis hin zu „Imagine“. Für Fans war das Interview zwar keine bahnbrechende Enthüllung, doch die Unmittelbarkeit seiner Worte wirkt bis heute berührend und zeitlos.
KI als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Da das Originalvideo des Interviews nicht erhalten ist, nutzte Soderbergh KI-generierte Visualisierungen, um den Film visuell ansprechend zu gestalten. Die Audioqualität des Interviews war jedoch von hoher Qualität, sodass die Worte Lennons klar und eindringlich wirken. Die klugen Schnitte von Soderbergh und Nancy Main komprimieren die 165 Minuten Material auf eine 97-minütige Dokumentation – ohne dabei die Essenz zu verlieren.
Ein kleiner Kritikpunkt: Die Fragen der Interviewer wirken im Vergleich zu Lennons Antworten oft weniger inspirierend. Dennoch überzeugt der Film durch seine emotionale Tiefe und die historische Bedeutung des letzten öffentlichen Gesprächs eines Musiklegenden.
Ein Film, der zum Nachdenken anregt
„John Lennon: The Last Interview“ ist mehr als eine Dokumentation – es ist ein bewegendes Porträt eines Mannes, der bis zuletzt an die Kraft der Musik und der Liebe glaubte. Soderbergh gelingt es, Lennons letzten Tag mit Respekt und Sensibilität zu inszenieren, ohne dabei in Spekulationen oder Sensationalismus zu verfallen.
Für Musikfans, Geschichtsinteressierte und alle, die sich für die letzten Worte einer Ikone interessieren, ist dieser Film ein absolutes Muss.