Am Abend des 28. Februar 2020 klingelte das Telefon eines Mitarbeiters der US-Gesundheitsbehörde CDC. Die Stimme am anderen Ende der Leitung war klar: „Wir brauchen Sie in Seattle. Treffen Sie Ihr Team morgen am Roybal Campus – weitere Details folgen.“

Dieser Anruf markierte den Beginn eines der größten Einsätze in der Geschichte des Epidemic Intelligence Service (EIS), besser bekannt als die 'Krankheitsdetektive' der CDC. Vor 75 Jahren gegründet, hat sich das Programm zu einem globalen Vorbild für die Bekämpfung von Seuchen entwickelt.

Eine Erfolgsgeschichte seit 1949

Der EIS wurde 1949 ins Leben gerufen, um auf die wachsende Bedrohung durch ansteckende Krankheiten zu reagieren. Inspiriert von den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und der erfolgreichen Bekämpfung von Malaria in den USA, sollte das Programm eine schnelle und wissenschaftlich fundierte Reaktion auf Epidemien ermöglichen.

Seitdem hat der EIS unzählige Leben gerettet – von der Eindämmung von Polio in den 1950er-Jahren bis zur Bekämpfung von Ebola in Westafrika 2014. „Die Arbeit der EIS-Offiziere ist oft unsichtbar, aber ihre Erfolge sind messbar“, betont Dr. Robert Redfield, ehemaliger CDC-Direktor.

Wie die 'Krankheitsdetektive' arbeiten

Die Mitglieder des EIS sind keine klassischen Ärzte, sondern oft junge Wissenschaftler mit Hintergrund in Epidemiologie, Statistik oder Biologie. Ihre Ausbildung dauert zwei Jahre und umfasst praktische Einsätze in realen Krisenlagen.

Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören:

  • Ausbruchsuntersuchungen: Schnelle Identifizierung und Eindämmung von Krankheitsherden
  • Datenanalyse: Auswertung von Gesundheitsdaten zur Vorhersage von Ausbrüchen
  • Kommunikation: Aufklärung der Öffentlichkeit und Zusammenarbeit mit lokalen Behörden
  • Forschung: Entwicklung neuer Methoden zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten

Ein Beispiel für ihre Arbeit ist die Aufklärung des HIV-Ausbruchs in den 1980er-Jahren, bei dem EIS-Offiziere entscheidend dazu beitrugen, die Übertragungswege zu verstehen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Herausforderungen und Zukunft des Programms

Trotz seiner Erfolge steht der EIS vor neuen Herausforderungen. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine schnelle und koordinierte Reaktion ist – gleichzeitig aber auch die Grenzen bestehender Systeme aufgezeigt. „Die Pandemie hat uns gelehrt, dass wir noch besser werden müssen“, sagt Dr. Anne Schuchat, ehemalige stellvertretende CDC-Direktorin.

Zukünftige Schwerpunkte des Programms liegen in der Digitalisierung der Epidemiologie, der globalen Zusammenarbeit und der Bekämpfung von Zoonosen – also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen.

Ein Blick in die Zukunft

Mit 75 Jahren blickt der EIS auf eine beeindruckende Erfolgsbilanz zurück. Doch die Arbeit geht weiter. „Die Welt wird nicht sicherer, nur weil wir heute keine Pandemie haben“, warnt Dr. Schuchat. „Unsere Aufgabe ist es, immer vorbereitet zu sein.“

Quelle: STAT News