Washington – Die Spannungen zwischen dem Weißen Haus und Robert F. Kennedy Jr. sind kein Geheimnis. Der Gesundheitsminister der USA steht in der Öffentlichkeit für kontroverse, aber auch populäre Positionen: Einerseits setzt er sich für eine Verbesserung der Lebensmittelversorgung und die Kennzeichnung ultraverarbeiteter Produkte ein. Andererseits zweifelt er routinemäßige Kinderimpfungen an – eine Haltung, die bei Republikanern polarisiert.
Als Kennedy eine Veranstaltungstour durch Ohio antrat, eine Region, in der populistische Figuren oft großen Zuspruch erhalten, war klar: Hier wird es spannend. Wie würde ein Politiker, der jahrelang Zweifel an Kinderimpfungen säte, diesem Thema ausweichen? Die Antwort: mit einer Vorleseaktion für Vorschulkinder.
Die Reise führte von einem regenerativen Bauernhof in Huron, betrieben von zwei Brüdern, die farbenfrohes Gemüse anbauen, bis zur Cleveland Clinic. Dort betrat Kennedy einen OP-Saal, in dem ein Herzpatient operiert wurde – selbstverständlich mit Maske. Doch trotz aller Ablenkungen ließ sich das Thema Impfungen nicht vermeiden.
Kontroverse Äußerungen zu Hepatitis-B-Impfungen
Bei einer Rede im City Club of Cleveland äußerte Kennedy Zweifel an der Sicherheit von Impfstoffen, die bisher als Standard für die Prävention von Hepatitis B galten – einer unheilbaren Krankheit. Er forderte Eltern auf, die Wahlfreiheit bei der Impfung von Neugeborenen zu erhalten. Diese Aussage löste im Publikum gemischte Reaktionen aus: Die eine Hälfte jubelte, die andere buhte.
Erfolge und Widersprüche
In einem kurzen Gespräch mit Kennedy in einem Bauernhaus in Ohio zählte der Gesundheitsminister seine Erfolge der ersten Amtszeit auf: die Überarbeitung der bundesweiten Ernährungsrichtlinien und die Definition ultraverarbeiteter Lebensmittel für die US-Bevölkerung gehörten dazu. Doch während er seine Liste der Errungenschaften aufzählte, dachte ich an die besorgten Mütter, mit denen ich im vergangenen Jahr gesprochen hatte. Sie fürchteten sich zunehmend, ihre Säuglinge in überfüllten öffentlichen Räumen mitzunehmen – aus Angst vor Masern und anderen Infektionskrankheiten.
Meine Frage an Kennedy: Was ist seine Botschaft an diese Eltern?
„Jeder sollte gegen Masern geimpft sein“, sagte Kennedy. „Aber wir müssen uns mehr auf chronische Krankheiten konzentrieren. Alle impfpräventablen Infektionskrankheiten zusammen töten vermutlich 10.000 Amerikaner pro Jahr.“
Laut wissenschaftlichen Studien liegt die Zahl der Todesfälle eher bei 50.000.
Kennedy mag Roboterhände an Herzpatienten getestet und Mikrogrün gekaut haben – doch als Gesundheitsminister der Trump-Administration entkam er den Fragen zu den umstrittenen Impfpolitik nicht.